Das Umfeld des mutmaßlichen Göhrde-Mörders Wichmann

Die Göhrde Morde

(Kapstadt/ Südafrika)

Mit einer gleichbleibenden Akribie berichtete Eduard Zimmermann im Jahre 1990 von einem seiner Fälle, der auch ihn sehr bewegte.

Ede, wie er im Volksmund fast wie ein alle vier Wochen auf dem ZDF wiederkehrendes Haustier genannt wurde, war und ist Kult, noch lange nach seinem Tod im Jahr 2009.

Zimmermann schuf eine Sendung, die nach fast 50 Jahren und mehr als 500 Folgen aktueller denn je ist, und erfolgreich von Rudi Cerne seit fast einer Dekade weitergeführt wird.

Nun steht aber ein Fall im Fokus, über den das xy Urgestein ein paar Monate zuvor berichtete, in der damaligen Wendezeit.

Einer der spannendsten Fälle in der fast 50-jährigen Historie von „xy ungelöst“ dürften die bis heute mysteriösen Morde im Naherholungsgebiet Göhrde-Wald zwischen Hamburg und Uelzen sein. Noch heute tappt die Polizei, trotz mehr als 2000 Aktenspuren, teilweise im Dunklen. Eine Wiederaufnahme der Ermittlungen war 2014 nicht geplant, weil einfach die Personaldecke nicht ausreichte.

Die Polizei war in dem Fall sehr bemüht, die Spuren wieder und wieder auszuwerten.
Nun scheint man, eine toten Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann auch in diesem Fall in Verdacht zu haben, zumal er zu dieser Zeit ausgedehnte Touren in die Göhrde-Wälder unternommen haben soll. Zudem handelt es sich bei einer bei den Hausdurchsuchungen gefundenen Waffen um ein gleiches Kaliber wie die Waffe, die damals bei den Göhrde-Morden verwandt wurde.

Woher hatte der Verdächtige die Waffen?

Als am 27.5.2016 das erste Mal in der Hamburger Morgenpost darüber berichtet wurde, dass der ehemalige Friedhofsgärtner Kurt-Werner Wichmann aus einem ruhigen Vorort Lüneburgs in Verdacht steht, auch die Göhrde-Morde begangen zu haben, wunderten sich viele. Kurt-Werner Wichmann starb 1993. Er war erhängt in seiner Zelle aufgefunden worden.

Deutschlands schwierigste Kriminalfälle erschienen plötzlich in einer anderen Perspektive und eine Lösung wurde wieder realistisch.

Eine Sonderkommission der Kripo“Iterum“ („noch einmal“/lat.) in Lüneburg, die im Spätsommer 2015 gegründet wurde, enttarnte den nächsten Serienmörder? Geleitet wird die Sonderkommission von dem in Mordsachen sehr erfahrenen Ermittler Richard Kaufmann aus Rotenburg / Wümme.

Nach Auskunft der Polizei wurde in der Zeit aber nur in dem Fall Birgit Meier ermittelt. Zu diesem Zweck wurden mehrere Exhumierungen auf verschiedenen Friedhöfen vorgenommen, um die sterblichen Reste der Frau Meier vielleicht noch zu finden. Sonst halten sich die emsigen Ermittler reichlich bedeckt. Aus gutem Grunde, wie man vermuten durfte.
Die Historie gab den Ermittlern recht. Die sterblichen Überreste der Schwester des ehemaligen Hamburger Polizei Chefs Wolfgang Sielaff, Birgit Meier, wird nach 28 Jahren aus einer Kfz-Grube im ehemaligen Anwesen des Kurt – Werner Wichmann gezogen.

Jedoch bleiben noch zahllose Fragen in diesem Zusammenhang offen, wie kam Kurt-Werner W. an die Teile einer MP?

Wie kam er zu den Waffen, als vorbestrafter Vergewaltiger?
Hatte Wichmann tatsächlich Kontakt oder war er ein Mitglied der NÜB, einer paramilitärischen Einheit der so genannten „Wehrsportgruppe Jürgens„, die dann und wann ihre Wehrertüchtigungsübungen auch in der Göhrde abhielt?

Was trieb Wichmann in der Göhrde um, wo er tagelang scheinbar mit Proviant, Rucksack und Fernglas verschwand, wie zahlreiche Zeitzeugen berichten?
Was suchte Wichmann dort?
War er einer der Aufpasser in der Gruppe, der häufig die geheimen Erdbunker zur Sicherung ablief? Zumindest glaubt man den Ausgaben der Werwolf-Anleitung für Kämpfer hinter den feindlichen Linien aus dem Jahr 1945. Das würde die Ausflüge des offensichtlichen Psychopathen erklären.

SS Werwolf, Nürnberg,1946
SS Werwolf, Nürnberg,1946

Werwolfinstruktionen
Kampf im Gelände
All Copyrights by US Army, 1945-48

Verschwörungstheorien gab es zu Hauf. Die Fakten sind noch spannender und beweisen erneut, dass der Staat auf dem „rechten Augen“ eher kurzsichtig ist.

Es gab jedoch noch andere Gesichtspunkte:
Für die Theorie des Erdbunkers spricht die Nähe, etwa 30 km, zu dem ehemaligen Versteck des Forstwirtschaftsmeisters Heinz Lembke, der im Zuge der Ermittlungen um den Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1981 ins Visier der eher lau agierenden Fahnder rückte. Am 29. September 1980 wurde das Anwesen des Verdächtigen in Uelzen durchsucht. Die Spur des Gundolf Köhler führte in die Umgebung der Lüneburger Heide. Dort wurden auch Zündkabelrollen und ein Gewehrmagazin, das die Ermittler jedoch nicht sehr viel weiterbrachte, aufgefunden. Die Ermittler glaubten ihren Augen nicht zu trauen, was sie in einem Erdloch fanden. Kistenweise Waffen, Munition und andere zum Krieg gebräuchliche Utensilien, wie ABC-Schutzausrüstung und Sprengstoff in erheblicher Menge. Leider konnte der bekannte Rechtsradikale nicht mehr dazu gehört werden, er soll sich am 1. November 1981 in seiner Zelle in Lüneburg erhängt haben. So die bisherigen polizeilichen Ermittlungen.

Wichmann wurde zuvor nie mit den Verbrechen in der Göhrde in Verbindung gebracht, obwohl er zuvor schon wegen Gewalt und Vergewaltigung inhaftiert worden war.
Aus dieser Zeit, einige Jahre zuvor, stammt ein mehr als mysteriöser Fall, der dem Täter zugerechnet werden könnte, der sogar bei „xy ungelöst“ gezeigt wurde. Dieses Verhalten passt zu dem nunmehr posthum beschuldigten Kurt-Werner Wichmann. Ein Pärchen aus Bremen wurde in Hamburg entführt.

Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Wichmann und dem Phantombild ist nicht zu leugnen. Das besagt aber nichts, weil die Polizei Ende der 1990-er Jahre beschloss, das Bild auch vielleicht einem Zeugen zuzuordnen.

Historie
Die Historie in diesem Fall liegt tiefer und kann von keinem noch so guten Krimiautor ersonnen werden. Es gibt Fakten, die nicht von der Hand zu weisen sind, in die bisher augenscheinlich noch nicht tiefer vorgedrungen wurde, da eine Verbindung in den Fällen nicht gesehen wurde. Oder gesehen werden konnte oder gesehen werden sollte.

Zugegeben, die Fallkonstellation der Morde in der Göhrde, die zu einer der mysteriösesten Fälle der deutschen Nachkriegsgeschichte gehört, gestaltet sich schwierig. Eine Spur führte nach Leipzig, eine andere, vergeblich, nach Schottland.

Wichmann, in anderem Zusammenhang im Jahre 1993 festgenommen, erhängte sich in der Untersuchungshaft. Da war er nicht der einzige, der sich das Leben in einer Zelle nahm. Auch Heinz Lembke, der einen Steinwurf von ihm aus lebte und ein gigantisches Waffenlager für paramilitärische rechte Gruppen anlegte, erhängte sich in Lüneburg unter gleichen mysteriösen Umständen.

War Wichmann mit anderen Rechten auf Menschenjagd gegangen?

Zeugen aus dem rechten Lager, die mit der „Wehrsportgruppe Jürgens“ (rechte Paramilitärs aus der Gegend des niedersächsischen Uelzen) verbandelt waren, sprechen heute noch davon, dass Lembke vor seiner Aussage über ein so genanntes „Stay Behind“ Netz der NATO, von staatlichen Stellen ermordet wurde. Simpel ausgedrückt, er wurde von Unbekannten in der Zelle erhängt. Beweise hierfür gibt es nicht, nur die Duplizität der Ereignisse verwundert schon. Wollte auch Wichmann, durch die Durchsuchung seines Grundstücks und des schmucken Bungalows in die Ecke gedrängt, auspacken?

Bis heute ist nicht geklärt, wie sich die germanischen Kämpfer organisierten und finanzierten. Zumal die braunen Paramilitärs das muntere Treiben des modernen Landsknechtspielens nicht nebenberuflich veranstalteten.

Lembke war das „Scharnier“ zwischen der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ und den „Deutschen Aktionsgruppen„, über die er regen Kontakt zu den anderen Paramillitärs, die dem Vernehmen nach als ein Trupp von wilden „Germanen“ Deutschland im Handstreich übernehmen wollten, pflegte.

Naziträume spätpubertierender Freischärler! Da wurde schon mal laut beim zünftigen Bier über einen Staatsstreich in der Bonner Republik nachgedacht. Oder Otto Skorzeny, Held der Altnazis, damals schon lungenkrank, aber noch recht fidel unter Franco in Spanien, zu seiner kameradschaftlichen Meinung zu den Putschplänen befragt. Auch die Freundschaft zu den braunen Kameraden in Chile und Argentinien wurde gepflegt. Wenn mal einer der Kameraden durch den eher lethargischen deutschen Fahndungsapparat gesucht wurde, konnte er über die „Tiroler Rattenlinie“ nach Spanien und von da aus nach Lateinamerika verschwinden.

Die „Wehrsportgruppe Hoffmann“, die unmittelbar in den Anschlag auf das Oktoberfest 1980 verwickelt war, und die damals tätigen Deutschen Aktionsgruppen waren nur Teil eines perfiden Netzwerks von Nazis, die sich von Anfang der 1970-er Jahre bis Mitte der 1980-er Jahre in deutschen Wäldern zu braunen Sandkastenspielen tummelten.

Lembke scheute sich jedoch nicht, aus seinen Depots Waffen und Sprengstoffe herauszugeben, wenn er damit „eine Mark verdienen“ konnte, wie Zeitzeugen zu berichten wissen. Woher Lemke die Waffen bezogen hatte, konnte nie geklärt werden, zumal im Raum stand, dass die Waffen von der Bundeswehr an die Paramilitärs geliefert wurden. Gladio und der Anschlag von Bologna unmittelbar zuvor, stand noch im Raum. Reden wollte in der Zeit, als FJS Kanzlerkandidat wurde, niemand über die Finanzierung der Privatarmeen.

Nur einem diente das Ziel politisch, als vor der Bundeswahl 1980 der Sprengsatz auf dem Münchner Oktoberfest explodierte: Franz Josef Strauß. Der bei Adenauer in Ungnade gefallene Verteidigungsminister, der den „Hauch von Vaterlandsverrat“ in den Räumen von Claus Jacobi, Conny Ahlers und Rudolf Augstein witterte, als der Spiegel sich aufmachte, das NATO Manöver Fallex 62 näher zu recherchieren. Strauß, ein unerbittlicher Hardliner am rechten Rand, der so recht mit der Demokratie nichts anfangen konnte oder wollte, wurde zur Bundestagswahl 1980 als Kanzlerkandidat der Union aufgestellt. Schon damals munkelte man über Schwarzkonten des Herrn Ministerpräsidenten aus Bayern, aus denen zahlreiche “ Wahlkampfkosten“ gezahlt wurden. Was konkret damit gemeint sein konnte, war nicht klar. Erst 2016 tauchte eine Veröffentlichung eines der Konten von Strauß mit einem geradezu märchenhaften Kontostand auf.

Schon Ende der 1990-er Jahre war im Zusammenhang mit Franz Josef Strauß ein Zufallsfund von Unterlagen in einer Garage in den neuen Bundesländern gemacht worden, die auf Unterstützung aus „schwarzen Kassen“ hinwies, die sich der damalige bayrische Ministerpräsident Mitte der 1970 er Jahre zugelegt hatte. Es ging um Provisionen aus Waffengeschäften in Afrika, die in Kopie in dem Fundus eines ehemaligen Leibwächters von dem begeisterten Piloten Strauß verschwanden und später in der ehemaligen DDR, in einer Garage in Sachsen, aufgefunden wurden.

Strauß, der beste Beziehungen zu dem Regime von Dr. jur. Pieter Willem Botha während der Apartheid pflegte, in Namibia „Onkel Franz“ genannt wurde, wenn er zur Jagd ging, sah seinen Vorteil immer in der Ost-West Politik und wollte 1980 sichergehen, dass er auch zum Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde. Am Wahlabend sah es mit den Träumen des bayrischen Rechtspopulisten eher mau aus, er verlor.
Seitdem wollen die Gerüchte nicht mehr verstummen, dass Strauß in den Anschlag auf das Oktoberfest mittelbar verstrickt war. Auch die Ermittlungen, die danach betrieben wurden, stellten sich als eher nicht zweckdienlich heraus. Der Generalbundesanwalt nahm die Ermittlungen 2014 wieder auf.

Die bizarre Einzeltäter-Theorie des Amokläufers Gundolf Köhler entkräftete Ulrich Chaussy schon vor Jahren.

Das neofaschistische Gemenge hielt auch noch unter den Augen des Verfassungsschutzes „Stell-Dich-ein“ mit den später in Italien verurteilten Restseilschaften der Ordine Nuovo und deren Ableger Nuclei Armati Rivoluzionari (NAR), die sich als Spezialisten der „Weiße Fahne“ Aktionen, als Meister der Anschläge auf Bahnhöfe und Züge erwiesen. Getreu dem Motto der SS: „Il nostro onore si chiama fidelità“ („Unsere Ehre heißt Treue“). In Europa wurde die Front der „Strategie der inneren Spannung“ eröffnet.

In einer Bremer Villa sollten Jahre später Aufzeichnungen aus diesen Tagen gefunden werden, aus denen hervorging, dass sich die Südtiroler-Nazi-Unabhängigkeitskämpfer, die im Sinne des Nationalheldens Andreas Hofers zu agieren schienen, und sich aus dem Rest des BAS rekrutierten, mit den deutschen Kameraden der Aktionsgruppen regelrecht verbrüderten.

Damals war es schick, im Hinterhof „Mein Kampf“ von Hitler wieder auf einer alten klappernden Maschine neu, in besonderer Ausgabe, wiederaufzulegen.Verwunderlich war und ist, dass sich in der besagten Bremer Villa solche Schriften der Kämpfer der 1973 verbotenen italienischen Rechtsaußen Nuclei Armada Rivoluzionari befanden. Soyka verstand sich als besonderer Gralshüter der deutschen Sprache. Warum er dann gerade die rechten Schriften zu seinem Thema machte, wird wohl ewig sein persönliches Geheimnis bleiben.

Wolfgang M., ein besonderer Verfechter des Unrechts an der Sache des Deutschen Reiches, des Nazireiches und mit einem unbändigen Hass auf die Amerikaner ausgestattet und immer noch als ehemaliger Verwaltungsjurist in gehobener Position für die nationale Sache Deutschlands unterwegs, bot über die Druckerei und den Verlag des Wieland Soyka den nötigen Nährboden, um den Kameraden zu helfen, sich zu artikulieren, was dem rechten Fussvolk doch schwer fiel.

Was langläufig als terroristische Vereinigung vor dem Gesetz galt, wurde dort zu einem Club von Liebhabern besonderer deutscher Lyrik.

2. SammlungM. und Soyka angebliche Kriegsverbrechen 002
2. Sammlung M. und Soyka angebliche Kriegsverbrechen 002

M. selbst residierte in einer Wohnung in Hannover und überließ die Villa einer Wohngemeinschaft, nachdem sein Soyka bei Nacht und Nebel geflohen war. Diesmal direkt in die Nervenheilanstalt. Zumal ein Brandanschlag der ihn und Soyka bekämpfenden Antifa in Bremen, auf seine im Wege der linken Pseudo-Anarchisten stehende Mülltonne verübt worden war. Noch Jahre später jammerte der Altnazi, der sich schon mal nach dem Krieg aus Bayern nach Österreich zu den Kameraden aufgemacht hatte, über den hinterhältigen Anschlag auf den Abfallkübel durch politische Clowns der damaligen Antifa. M. nahm, wie ein debiler Landsknecht, selbst den Kampf gegen die verhasste Antifa in die Hand.

Lembke pflegte schon zu seiner Bundeswehrzeit in Bremen, direkte Kontakte zu dem rechten Umfeld in der Hansestadt Bremen. Später zu dem rechten „Anti Atomumfeld“ des Soyka-Clans, dessen Oberhaupt Dr. Walther Soyka war. Sein Sohn Wieland Soyka wurde bekannt durch den rechtslastigen Faksimile Verlag, der menschenverachtendes, widerwärtiges Gedankengut neu aufmachte und in Bremen-Huchting in einer Villa des bekannten Holocaustleugners, Wolfgang M., seinen Sitz hatte. Auch der junge Soyka war in die Anti-Atomkraftbewegung der rechten Szene Anfang der 1980er Jahre verwickelt, die eher an eine paramilitärische Gruppe als an eine Gruppe von Demonstranten erinnerte. Zeitzeugen erinnern sich daran, dass die Gruppe um Soyka nicht verlegen war, auch mal einen Scheck von einem V- Mann anzunehmen, um die grünen Aktivisten zu bekämpfen.
Soyka und M. hatten sich komplett dem Hass gegen Juden und Amerikaner verschrieben. Wieland Soyka druckte fleißig im Keller des Hauses rechte Schmutzschriften, die er als Wiederauflage bereits vergriffener Bücher darstellte, die den Holocaust als jüdische Propagandalüge verkauften. Gedruckten Dreck produzierte Soyka auch über die Untaten der deutschen Wehrmacht in Russland. Nimmermüde der Geschichtskrittelei führte Soyka ein Buch über die Verbrechen an Reichsdeutschen ab 1933. Dabei nahmen angebliche „alliierte Verbrechen“ seine ganze Leidenschaft ein. Es waren die handschriftlichen Aufzeichnungen früher rechter „Fake News“

Sammlung Soyka /M. angebliche Kriegsverbrechen 003
Sammlung Soyka /M. angebliche Kriegsverbrechen 003

Die Menschenverachtung war deutlich zu spüren, die von dem Umfeld ausging. Hier wurde auch schon mal beschlossen, auf die verhasste Linke organisierte „Menschenjagd“ zu machen.
Soyka und sein brauner Mäzen M. waren sich nicht grün. M. behauptete allen Ernstes, Soyka wäre zahlreichen geistigen Erkrankungen ausgeliefert, als in der Druckerei Probleme auftauchten. M. war an den Werken von Soyka beteiligt, hielt sich aber als Gönner eines Hannoveraner Sportvereines geschickt im Hintergrund, obwohl er immer wieder Geld aus „humanistischer Gesinnung“ an notleidende Kameraden aus rechten Netzwerken stiftete.

In diesem Umfeld soll der als Dandy bekannte Kurt-Werner Wichmann, Anfang und Mitte der 1980-er Jahre, nachdem er aus Karlsruhe zurückkam, verkehrt haben. Machte Kurt Werner Wichmann nach „Feierabend“ hier weitere Jagd auf Frauen?
Eine aufsehenerregende Mordserie erschütterte in den späten 1970-er Jahren und zum Anfang der 1980-er Jahre die Hansestadt und die weitere Umgebung. Der bekannteste Fall war das dubiose Verschwinden der Anja Beggers.

Weisen Spuren zu Morden etwa auch in das damals gefürchtete „Weser Dreieck„?
Zudem kursierte seit Jahren mehr als das Gerücht, ob es nun stimmen kann oder nicht, dass einer der Oktoberfest-Attentäter, der „Einarmige“, dessen Spur Ulrich Chaussy bis nach Hannover verfolgen konnte, regelmäßig im Krankenhaus von den Kameraden der noch heute in das Vereinsregster eingetragenen Nothilfetechnischen Übungs- und Bereitschaftsstaffel (NÜB) besucht wurde. Angeblich bis 1987 wurden von dem Verein „Wehrübungen“ aller Art durchgeführt, die auch das Gebiet der Göhrde ausdrücklich mit einbezogen. Bei dem seltsamen Verein der NÜB wurden Blätter ausgegeben, die einem Handbuch des Werwolfs entnommen sind und bei Soyka in Bremen neu aufgelegt wurden. Der Werwolf war eine von Reichspropagandaminister Dr. Goebbels ausgegebenen Broschüre zum gedachten Kampf hinter den Linien der Alliierten, 1945.

Bevorzugtes Ziel der Paramilitärs waren auch Friedhöfe, auf denen man sich verstecken konnte.
Auch der Friedhofsgärtner vergrub gerne Dinge, darunter einen kurz vor seinem Tod durch Leichenspürhunde aufgefundenen roten Ford Probe. Der fast neue Sportwagen war in einiger Tiefe auf dem geerbten Grundstück des in Verdacht stehenaufgetaucht, als die Polizei die verschwundene Schwester des damaligen Hamburger Kripochefs suchte.

Gehörte Wichmann einer dieser ineinander vernetzten Wehrsportgruppen an? Zumindest war die Wehrsportgruppe Hoffmann, deren Mitglied Gundolf Köhler bei dem Attentat auf das Münchner Oktoberfest beteiligt war, mit der NÜB gut vernetzt. Auch mit der aus der Umgebung von Hamburg bundesweit agierenden Wiking Jugend (WJ) und der ebenfalls verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS).

Wo blieb Wichmann, wenn er Tage in der Göhrde verschwand? Von einem Zelt ist nichts bekannt.
Er verfügte über geheime Zimmer und Verstecke in seinem Haus, in denen er Waffen und Betäubungsmittel lagerte. Waffen, die denen aus Lembkes Verdeck im Wald sehr ähnlich waren.
Wer war der Mörder?

War es nur ein geschickt getarntes Manöver, das zwei oder mehr Täter im Wald in einem Erdbunker aushoben, oder war es ein perverser Täter, wie zahlreiche Foren annehmen, in denen sich zahllose Leute wichtig machen. Oder ging ein Mörder um, der auch an rechtsradikalen Übungen teilnahm? Letzteres ist wahrscheinlich.

Wer war der mysteriöse Mann, den Reiterinnen damals sahen, kurz nach der Tatzeit?

Niemand meldete sich, die Beschreibung passt jedenfalls nicht zu Wichmann – wahrscheinlich stand zur Tatzeit diese Person aber in Verbindung mit Wichmann, wenn er der Täter war. Selbst der Unbekannte hat sich sicherlich mittlerweile wiedererkannt.

Dort, wo sich normalerweise Füchse Gute Nacht sagten, wenn sie den Flinten des Jägers entkamen, wurde Brennholz verkauft, Dammwild bestaunt, fand eines der abscheulichsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte statt.

Vier Opfer, zwei Mal die fast gleiche Tatausübung. Raubmord schied laut der 1997 aufgelösten SoKo aus. Annähernd 10.000 Menschen wurden befragt. Die Spuren verliefen ins Nichts.
Was geschah im bedeutungsschwangeren Sommer 1989, kurz vor der Wende, mit den beiden Pärchen, die innerhalb kurzer Zeit in das sonst bei Hamburgern beliebte Ausflugsgebiet fuhren?
Wer waren der oder die Täter, haben die Unbekannten später doch eine Spur hinterlassen?
Unweit der Castor Transportstrecke, dort wo ein Pferdeweg einmündet, muss sich der oder die Täter ausgekannt haben. Natürlich aus der rechten Anti- Atombwegung.
Eine Suche, die ein Vierteljahrhundert nach den Ereignissen beginnt. Allein trifft man hier fast niemanden an. Im Totenwald, wie die Einheimischen den Staatsforst nach den Taten tauften. Das Waldgebiet scheint endlos. Wer hier um Hilfe schreit, verliert sich in der scheinbaren Unendlichkeit. Niemand würde nur etwas hören.

Niemand sah etwas.
Abzuwarten bleibt, ob sich die Puzzlestück zusammensetzen lassen.

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  1. Toller Artikel , eine mächtige Recherche.

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