Der Raub von Gotha

Mysteriöse Diebe

Der größte Kunstraub in der Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, der in der Nacht des 14. Dezember 1979 durch unbekannte Täter vorgenommen wurde, stellt noch immer die Ermittler vor zahllose Rätsel.

Die in Schloss Friedenstein ausgestellten Bilder wurden samt der Rahmen entwendet. Es gibt leider auch nur noch schwarz-weiß Aufnahmen aus den 1970er Jahren. Recherchen eines Kulturmagazins namens Titel Thesen Temperamente erbrachte die einzige Farbaufnahme von dem Selbstbildnis mit Sonnenblume. Der Schaden betrug zwischen fünf und acht Millionen Mark der DDR (ca. 900.000 Euro im damaligen Wert) im Jahre 1979. Von den Bildern oder den Tätern gibt es bis heute keine Spur. Doch der Wert heute dürfte etwa 100 Millionen Euro betragen.

War es eine Auftragsarbeit aus dem Westen?

Dafür gibt es Indizien, aber keine Beweise.

Es gab zahllose Theorien, dass Täter einen Informanten in dem Umfeld des Museums hatten, der ihnen half, die heiße Ware nach dem Diebstahl wegzuschaffen.
Wie das von den Ermittlern nach der Auswertung des Klimaschreibers in dem Museum vermutet wurde. Kurioserweise war gerade in dieser Nacht die neu installierte Alarmanlage nicht in Betrieb.
Die Tat an sich, die gegen 2.30 Uhr stattfand, muss in Windeseile geschehen sein.Es regnet, als der Barkas in der Nähe des Schlosses hält, drei Männer steigen aus, sie kennen sich bestens aus. Zwei transportieren in den Rucksäcken, Steigeisen – vermutlich Westware. Einer bleibt am Fahrzeug zurück.Ein paar Minuten, nicht mehr, benötigten mindestens drei unbekannte Täter, um ihre Tat zu begehen. Eines der Bilder wurde mit den Dübeln gleich aus der Wand gerissen. Sie waren mittels eines Steigeisens in das Barockschloss eingedrungen.

Die Gemälde im Westflügel auf Schloss Friedenstein in Gotha verschwanden auf ominöse Art und Weise. Da die Bilder auf dem internationalen Markt so bekannt waren und sind, wäre es für die Diebe nicht möglich gewesen, die Gemälde auf normalem Weg zu versetzen.

Ein Schmuggel über die Staatsgrenze der damaligen DDR hinaus, wäre sicherlich nicht möglich gewesen.

Ein Insider, der die damaligen Verhältnisse kannte, spricht noch heute von einer schlicht unlösbaren Aufgabe. Die Volkspolizei hätte den Weg der Bilder sehr schnell nachvollziehen können.
Selbst die gefürchtete Staatssicherheit beschäftigte sich in diesem außergewöhnlichen Fall. Teile eines Bilderrahmens wurden am Morgen darauf im Schlossgarten aufgefunden.

Das war die letzte bekannte Spur. Alles, was folgte, nur kriminalistische Theorie.
Bei einem kurz festgenommenen Hochseil-Artisten stellte sich schnell heraus, dass er nichts mit dem zugrunde liegenden Sachverhalt zu tun hatte.
Eines der elf Steigeisen führte über den Umweg der Ermittlungen in den Westen. Und da war für die DDR-Fahnder Schluss.

Die Spur führte zu einem Fleischtransport des VEB Deutrans, der seltsamerweise an den Strauß-Freund und Fleischgroßhändler März und dessen Schlachthöfe in der Nacht hinausging. Bevor der Diebstahl bemerkt wurde, war der Transport schon über die nahe Grenze bei Eisenach im Westen angekommen.

Am Ende schien es die einzige Möglichkeit, dass die Gemälde in dem versiegelten und verplombten Transport in den Westen gelangt waren. Alle Wissenden in der DDR wurden durch die staatlichen Organe eingeschüchtert, was eigentlich die nachfolgende Theorie befeuerte, zumal eine der angeblichen Spuren Jahre später an den Tegernsee führte. Die KoKo des Dr. Alexander Schalck-Golodkowski geriet in den Blick der Fahnder nach dem Fall der Berliner Mauer, 1989. Letzter Wohnort von Schalck war am Tegernsee.
Die Koko verhökerte zu DDR- Zeiten alles, was nicht niet- und nagelfest war, an zahlreiche Kunsthändler im Westen, um der ewig devisenklammen DDR westliche Währungen in die Kasse zu spülen.
Es wurden zahlreiche Einbrüche in „Antiquätenangelegenheiten“ von der DDR KoKo verübt.

Interessant war auch, das in diesem Zusammenhang drei der fünf gestohlenen Gemälde als Kunstreproduktionen über das staatseigne Unternehmen der DDR, Volkskunsthandel, feilgeboten wurde.
Es gab weitere absurde Theorien, die keinerlei Grundlage hatten. So soll die Koko, wie die Nazis Stollen unterhalten haben, in denen die Mitarbeiter Bilder und Wertgegenstände aus ihren DDR-weiten Raubzügen bis nach der Wende einlagerten. Diese Stollen sollen als Absicherung, als „goldener Handschlag“ für die Mitarbeiter des Schalck gegolten haben.
Eines der Bilder soll nach 1983 in Berlin aufgetaucht sein.

Eine weitere absonderliche Theorie besagte, dass die ehemaligen Besitzer, die Familie der Fürsten von Sachsen und Gotha, sich der Bilder bemächtigt hätten. Diese Behauptung wurde schon 2000 von der auf dem Stammsitz der Familie herumschnüffelnden Stasi selbst widerlegt.

Von Knoerz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31794525
Von Knoerz – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31794525

Beute: Das Brustbild eines jungen Mannes von Frans Hals. Landstraße mit Bauernwagen und Kühen von Jan Brueghel dem Älteren, Das Selbstbildnis mit Sonnenblume von Anthonis van Dyck, Alter Mann von Jan Lievens, sowie Die heilige Katharina von Hans Holbein dem Älteren.

Wer etwas über den Verbleib der Bilder weiß, sollte sich melden. Die Taten sind verjährt.
Kontakt:
Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Schloss Friedenstein
99867 Gotha

Postanschrift:
Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
PF 10 03 19
99853 Gotha

Tel. 03621 8234-11
Fax 03621 8234-63

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One Comment

  1. Lügenpresse

    Wenn das nicht die Stasi war heiß ich Schalck.
    Gut recherchierter Artikel. Ihr habt es drauf.

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