Babylon Berlin – Moment mal!

Abenteuerlicher Plot ohne Sinn oder Unsinn

Die Geschichte, die sich um die Geschichte in den End- 1920er Jahre dreht, verdammt den Protagonisten zu dem, was eigentlich nicht dem Ereignishorizont der Tage damals entsprach, sondern der Kommissar ist ein Zeitreisender, mit einem recht verklärten Geschichtsbild nach dem Zweiten Weltkrieg.

Schon in sich und nach zahllosen Aktion-Abenteuern verinnerlicht sich das Bild, das von den Spät-1920ern gezeichnet wird. Es ist ein falsches Sittengemälde, es ist das Synonym aller Welt, die in Berlin das damalige Babylon wähnte.

Sicher war Berlin nicht so.

Das zeigen die Erzählungen derer, die damals in Berlin lebten.
Berlin hatte Charme, nicht nur durch das Kranzler und die Juno-Werbung.

Hätte es so engagierten Protagonisten wie in der Serie, den Kommissar Gereon Rath gegeben, der sich von einer Schießerei in Schlägereien rettete, unter Wasser und auf einem fahrenden Zug, zwischen Gangstern und Club Besuch, politischen Intrigen und dem adoptierten Leben der freien Radikalen der 1930er Jahre kämpfte, keine NSDAP hätte die Möglichkeit gehabt, einen Hitler an die Macht zu bringen.

Diese Alleskönner gab es in den Zeiten der Rohrpost nicht.

Die filmischen Nazis erscheinen wie die heutigen Rechtsradikalen und Populisten, das könnte man als Warnung aus der teuersten Fernsehserie Europas mitnehmen.

Pseudo-Yoga im Moka Efti, zwischen weiblichen Transvestiten und Staatsbesuchen, gewagten politischen Manövern, die einem senilen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg nicht mehr von der Hand gingen. Lichtblicke, wie Gustav Stresemann und sein französischer Amtskollege Briand, die bei dem Moritat auf Mackie Messer gemeuchelt werden sollten, entsprechen einem Plot, der die 1920er niemals erreicht hatte. Wilde Verfolgungsfahrten, Tote und Lebende, tief überzeugt vom Faschismus und die völlige Verzerrung der späteren politischen Verwirrtheit, die außer wackelnden Brüsten und Bananenröckchen doch sehr viel mehr hervorbrachte.

Zu kurz kommt der Ausblick in die Zukunft. Nazis werden folgerichtig als Sekte, die Reichswehr als geheime Untergrundorganisation, fast kaiserliche, geschildert. Mit der Realität hat die krude Bühne, auf der die Regisseure das Drehbuch tanzen lassen, nichts zu tun. Opulent erscheint die Ausstattung, Dank dem Hang zu jedem noch so kleinen Detail, das sich die Produktion leisten konnte.
Doch hat der Film gravierende Mängel bei der Bau- und Technikgeschichte.

Die Regisseure verderben die Lust auf die Demokratie und die Weimarer Republik, die ein deutsches, historisches Kleinod war.

Der Plot bleibt steril, wie der Vorhof zum Moka Efti.

Die Zwanzigerjahre allerdings waren anders, zumindest in der Realität, und so bleibt von der Bühne nur ein fahler Beigeschmack.

Eine völlig der Realität entrückte Groteske, die der Zuschauer allerdings mit hohen Einschaltquoten belohnt.

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