Daniel Küblböck- ein Zwischenruf

Vermisst im Nordatlantik

Auch für die, die Daniel Küblböck nicht kannten, oder seine Art der Darbietung verschmähten, gebietet sich eine Überlegung. Auch Pietät – zumindest das.

Die Fotos der Kollegen der Presse, Daniel Küblböck als Frau abzubilden, sind geschmacklos und erinnern an Bruchkanten der Pressegeschichte, wie bei Rösner und Degowski, wie bei Lady Di.

Vorher-Nachher, um die tiefe Befriedigung zu haben, einen als geistig verwirrt dargestellten Daniel Küblböck im kollektiven Gedächtnis zu hinterlassen, der nichts besseres als den Tod verdient hatte, folgt man den Kommentaren.



Welch eine Schande!

Wie verzweifelt muss er gewesen sein, um vom 5. Deck des Schiffes der AIDAluna in den sicheren Tod im Nordatlantik zu springen.

Das wird ihm bewusst gewesen sein.

Es ist völlig unerheblich, ob er sich als Frau oder Mann kleidete. Vielleicht war er transsexuell, wollte lieber sein Leben als Frau verbringen.

Und?

Transgender zu sein, ist keine Krankheit, sondern wahrscheinlich eine genetische Disposition. Mit dieser Voraussetzung müssen die Betroffenen erst einmal leben lernen. Die innere Zerrissenheit und der gesellschaftliche Hass, Spott, Hohn, die systematische Benachteiligung ist eine Krankheit der Gesellschaft.

Er schrieb vor einigen Tagen noch über das systematische Mobbing, unter dem er litt, wenn z.B.mit hohen Absätzen über Steine laufen musste.
Das will, das weiss jede Frau, gelernt sein.

Es sagt etwas über die aus, die die Kommentare abgegeben haben, nicht über den, im wahrsten Sinne des Wortes, zu Tode verzweifelten Daniel Küblböck.

Diese sollte sich nach solchen Kommentaren erst einmal fragen, wie weit der Anspruch geht, einem anderen Menschen, der vermisst wird, wahrscheinlich nach menschlichem Ermessen tot ist, so etwas posthum anzutun.

Daran trägt auch die Gesellschaft schuld, wenn ein Mensch, wie Küblböck, springt.

Was mag er in den letzten Minuten im Nordatlantik bei 10 Grad Wassertemperatur durchgemacht haben?

Fragt sich das jemand, der sich über den Tod eines Menschen amüsiert?

Offensichtliche Depression

Was in Gottes Namen ist dabei, sein Geschlecht selbst zu bestimmen?

Sich selbst zu definieren, ist die Chance dieses einen Lebens.

Das tägliche Leid von Transsexuellen will keiner der Verbalhasser durchgehen. Diese würden nämlich aufgeben, wahrscheinlich das gleiche Schicksal erleiden, wie das, was Daniel Küblböck für sich entschied.

Und wenn es nur durch Kleidung war.

Es ist der Zeitgeist, Minderheiten auszumachen, die man nachhaltig quälen kann.
Das gibt dem Folterknecht die tiefe Befriedigung, zumindest die Folter bewerkstelligt zu haben.

Mehr scheinen die zynischen und menschenverachtenden Kommentare gegen Daniel Küblböck nicht zu erbringen.

Von vielen wurde eine richtige Freude über den wahrscheinlichen Tod eines Menschen geäussert. Das ist abartig.

Daniel Küblböck hat mit seinem jähen Verschwinden mehr erreicht, als es ihm zu Lebzeiten möglich war. Das macht ihn wertvoll. Für jeden Einzelnen in der Gesellschaft.

Er mag ein Paradiesvogel gewesen sein, aber definiert das?

Er war die Person, die er war und damit hatte die Gesellschaft eigentlich nichts zu tun, er mit sich allerdings am Ende sehr viel.



Sollten Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte ohne Verzögerung die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Gehen Sie zu einer Kirche oder ihrem Arzt des Vertrauens. Handeln Sie für Ihr Leben.
Unter der bundesweit kostenlosen Hotline 0800-1110-111 oder 0800-1110-222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus scheinbar aussichtslosen Situationen aufzeigen konnten. – marinellaswallpaperjournal.eu ©2016

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