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Der Traum vom Kreislauf des Lebens 6. Auflage

Der Traum vom Kreislauf des Lebens, Cover, kasaan media publishers, 2018
Der Traum vom Kreislauf des Lebens, Cover, kasaan media publishers, 2018

Damit ist zu „Transitzentren“ alles gesagt.

Der Traum vom Kreislauf des Lebens, Cover, kasaan media publishers, 2018
Der Traum vom Kreislauf des Lebens, Cover, kasaan media publishers, 2018

Auszug aus „Der Traum vom Kreislauf des Lebens“
Marinella van ten Haarlen, kasaan media, 1991

Aber es sollte noch sehr viel schlimmer kommen: 2048 putschten eifrige, verbündete Nationalisten durch Neuwahlen, riefen, ob der traurigen Geschichte zum Trotz, das Vierte Reich aus.
Das alles sah den Deutschen ähnlich, den verhassten Germanen, den bärbeißigen Teutonen. Hiernach wurden alle vertrieben, die nicht in das neue, alte Menschenbild vom genetisch gezüchteten Menschen, dem neuen, doch so hergebrachten Arier, passten. Die zahllosen Ausgestoßenen, die weder intellektuell, noch kulturell, noch ethnisch in das funktionierende System dieses künstlich geschaffenen, kriegerisch aggressiv expandierenden Machtgefüges konvertierten.

Es war bei dieser wiederholten, mit lodernden Elektrofackeln, zelebrierten schaurigen „Machtergreifung“ nicht entscheidend, ob jemand ein genetischer Arier war. Blond gelockt, wohlgenährt oder blauäugig, diesmal gestaltete sich das pervertierte Auswahlverfahren noch arglistiger. Ob jemand, der vor die willkürlich agierende „Genkommission“ treten musste, aus Deutschland abgeschoben wurde, war dem, dem einzelnen Schicksal, gleichgültig gegenüberstehenden, eingesetzten Gremium vollkommen egal.
Wie zum hohnvollen Spott sangen die zahlreichen, nachblondierten Marlene Dietrich-Imitatorinnen in schwarzen Einheitsröcken und dazu wenig passenden, cremefarbenen Blusen das bekannte Lied: „Lili Marleen“ oder „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ zum tränenreichen Abschied, winkten, intonierten: „Schön ist es auf der Welt zu sein!“

Die zahllosen Delinquenten mussten den peinlichen, erniedrigenden Fragen und dem Blut- und Bodentest standhalten, hernach wurde über die unverzügliche Ausreise aus Germania beraten. Dieses Prozedere orientierte sich an einer Sozialgesetzgebung aus dem Anfang des Jahrtausends. Meistens wurde der umgehende Vollzug der, zuvor schon festgelegten Ausweisung, unter dem sofortigem und unwiderruflichen Verlust aller Besitztümer, der Staatsangehörigkeit, eingeleitet.
Durch brutale Paramilitärs aktiv durchgesetzt, musste die, mit den vermeintlich „nicht kompatiblen Genen“, ihre paar Hooverkoffer packten, wurden auf den stählernen, glitzernden Abflugrampen zusammengepfercht. Diesen verzweifelten Menschen wurde verboten, je wieder auf Reichsterritorium zurückzukehren.
Ein später, im Auftrag, erschossener Journalist, deckte in diesen tristen Tagen auf, was die Grundlage der erbarmungslosen Deportationen darstellte. Eine verloren gegangene Gendatenbank einer längst vergessenen Versicherungsgesellschaft aus dem frühen 21. Jahrhundert, für einen lächerlichen Betrag aufgekauft, als diese krisengeschüttelt am 10. Schwarzen Freitag in Folge, wirtschaftlich zusammenbrach. Aus dieser nährte sich das frische Regime mit althergebrachtem, schmutzigem Gedankengut.

Eng gedrängt in großen Germaniamaschinen von Germania-Flug, 2000 Passagiere fasste einer dieser Großraumtransporter, wurden die völlig Verschüchterten in langen Schlagen hineingetrieben, nach der finalen Passkontrolle. Nachdem, im gierigen, eigenständig von jeglicher Macht enthobenen Zoll, den Vertriebenen alles weggenommen worden war, was sie besaßen, wurde die berüchtigte Holografieanalyse an den demütig Entmutigten durchgeführt. Der genetische Fingerabdruck nochmals gespeichert und an alle Alliierten wei-tergegeben, die das weltweit wieder bewunderte Germania aufwies.
Dann kam der lange, durch starke Blenden gesicherte Gang, der direkt in die engen, zwingenden Frachträume der Maschinen führte. Oben amüsierten sich die Offiziellen der Parteienkoalition, unten schrien die Unglücklichen in der Kälte der Flugdecks. Eine mechanische Blechbläserkapelle spielte auf: „Freut euch auf jeden Tag“, wieder und wieder, wie eine kaputte Schallplatte.

Wissenschaftler, berühmte wichtige Persönlichkeiten, bekannte, beliebte Künstler, andersdenkende Ärzte, wie schreiende Kinder und zu Recht lamentierende Alte, die nur ihre Rente haben wollten.
Lediglich ein paar Monate später, folgte die zweite Säuberungswelle, die Diktatur wollte ihre unbedingte Macht durchaus zementieren, überall machte sich erheblicher Widerstand bemerkbar. Ein beherzter Kameramann der „Human Environmental Defensive Group“, einer neuartigen Umwelt- und Menschenrechtsbewegung drehte einen überaus bewegenden, sehr präzisen Film über die unanständigen Germanen. Dieser rührte die vielen, begeisterten Zuschauer bei den Olympischen Filmfestspielen in Neo Delfi zu Tränen. Die Deutschen waren diesmal wieder offensichtlich rückfällig geworden, lange Zeit hatten sie in dem Jahrhundert des Friedens bis 2045, die schlimmsten, abartigsten Verbrechen im Verborgenen praktizieren können. Nun aber traten sie erneut aus ihrem eingeübten Schatten. Ein starker Mann, Müller, verhalf ihnen wieder, zu dem so lange vermissten Selbstbewusstsein, an dem es den Einwohnern Germanias zuvor so arg mangelte.
Sie benötigten wieder eine ausgemachte Masse ihrer eigenen Bevölkerung, die sie mit ihrem boshaften Hass verfolgen konnten.

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