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Rechtsradikale

Beate Zschäpe und das individuelle Maß an Schuld

Die Rechtsterroristin Beate Zschäpe ist immer für eine Überraschung gut.

Nun sind es auch ihre Verteidiger, die für Überraschung sorgten. Heute machten ihre beiden Verteidiger, Hermann Borchert und Mathias Grasel, davon Gebrauch.
Nicht über die tatsächlichen Verbrechen des NSU wurde doziert, sondern es wurde versucht, zu verdecken. Dann folgte ihre Strafmaßforderung im Vordergrund des Plädoyers. Höchstens 10 Jahre wegen der gefährlichen Brandstiftung, als Zschäpe das Versteck des NSU-Trios 2011 in Flammen setzte, forderten die Verteidiger.

Zschäpe hat in all den Jahren bewiesen, dass sie nicht das unschuldige kleine Mädchen von nebenan ist, das den Verbrechern Mundlos und Böhnhardt hilflos ausgeliefert war, sondern sie zeigte deutlich auf, dass sie ein Teil des Nationalsozialistischen Untergrundes und damit ein Teil der terroristischen Vereinigung war, die sie über mehr als ein Jahrzehnt mitvertrat.

Beate Zschäpe kann niemandem erklären, dass sie von den Morden nichts wusste, wenn sie mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos über Land reiste, dabei falsche Papiere verwandte. Zschäpe war eine Cheflogistikerin des Nationalsozialistischen Untergrundes.

Sie sorgte dafür, dass es den beiden Mittätern an nichts mangelte. Selbst sie gab sich den beiden hin. Ihre Schutzbehauptung, die ihre Anwälte und sie selbst mit dünner Stimme vortrug, auch zu den Banküberfällen, die dem Trio überhaupt die Chance eröffneten, diese Morde zu begehen, ist völlig unglaubwürdig.

Beate Zschäpe zeigte ihr wahres Gesicht, das einer typischen Nationalsozialistin, die am Ende der Zeit keinerlei Verantwortung für die aus systematischer Menschenverachtung und Hass begangenen Taten übernehmen wollte.

Jedem, der der Verhandlung vor dem amtierenden Richter Götzl vor dem Oberlandesgericht in München folgte, war heute klar, dass Frau Zschäpe nicht wie von ihren Verteidigern gefordert, unwissend war, sondern auch durch das jahrelange Benutzen von Deckpapieren, Dubletten, ein Teil des Trios war, wenn nicht die treibende Kraft.

Jahrelange Berichterstattung über den NSU-Prozess verwässerte das Bild, dass Beate Zschäpe eigentlich einer der Hauptbestandteile und der Garant für den Erfolg des Nationalsozialistischen Untergrundes war, das hemmungslose Morden des Nazi-Trios konnte ihr nicht entgangen sein.

Zudem wusste sie, als sie die Paulchen-Panther-Filme veröffentlichte, versandte, was die beiden getan hatten. Sie sprengte das Versteck des Nationalsozialistischen Untergrundes in die Luft, um möglichst viele Spuren zu verwischen.

Das tat sie nicht, weil sie nicht darüber Bescheid wusste, was die beiden Mittäter getan hatten, sondern, weil sie ein fester Bestandteil dieser Gruppe war. Mundlos und Böhnhart hatten zu diesem Zeitpunkt ihrem Leben schon ein Ende gesetzt.

Alle Verschwörungstheorien, die von rechten Gruppierungen, die dem Nationalsozialistischen Untergrund nahestanden, darüber erdichtet wurden, kann man getrost in das Reich der Legenden der Nazis verweisen.

Das Schreckgespenst des Strafantrages der Verteidiger ist ein Armutszeugnis und ein Schlag in das Gesicht der Opfer, mit denen Beate Zschäpe nicht gerade zimperlich im Prozess umging.

Die Angeklagte Zschäpe hat das Recht auf Verteidigung und auch bestmögliche Verteidigung. Das garantiert ihr der Rechtsstaat, den sie so tief verachtet. Doch Zschäpe ist das Abziehbild einer braunen Subkultur, die sich nach der Wende im Osten herausschälte und alleine deshalb muss in dem Verfahren Zschäpe als Hauptangeklagte verurteilt werden. Ob von Beate Zschäpe noch irgendwelche Gefahr ausgeht, vermag niemand zu beurteilen.

Sie hat der nationalsozialistischen Doktrin niemals abgeschworen, während des gesamten Prozesses die Unwissende, die Verbrannte, die Fehlgeleitete und von Mundlos und Böhnhardt, die sich nicht mehr verteidigen konnten, Missbrauchte dargestellt.

Zu Ralf Wohlleben pflegte sie jahrelang guten Kontakt. Warum sollte Beate Zschäpe, nachdem die Garage in Chemnitz in den 1990 er Jahren gefunden worden war, eine Flucht nach Südafrika zu Dr. Claus Nordbruch überhaupt in Erwägung gezogen haben?

Es war viel mehr als nur der Nationalsozialistische Untergrund. Der resultierte aus der tiefen Überzeugung der drei Haupttäter und den Helfern, Menschenverachtung in Morde umzusetzen. Deshalb ist Beate Zschäpe nach rechtsstaatlichen Maßstäben so zu bestrafen, wie es das Gesetz vorsieht, und damit ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte ein Ende findet.

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