Vor lauter Bäumen sieht man den Schacht nicht

Eine Geschichte, wie aus einem drittklassigen Horrorstreifen, der im Pentagon spielen könnte.

Im beschaulichen Saarland, weit weg von dieser Welt- dann in einem Ort, den die wenigsten überhaupt kennen, geschweige denn auf eine Karte ausmachen können, Illingen, ereignete sich in der letzten Woche ein vermeintlicher „Anthrax Anschlag„.
Die Sekretärin des Bürgermeisters öffnete die Post, aus einem Brief rieselte Pulver, und Illingen war plötzlich der Nabel der chemischen Reinigungsbecken auf dieser Welt.

Illinger Rathaus

In ABC-Anzügen rückte die Feuerwehr an, die Polizei sperrte den gesamten Ort ab. Glaubt man den Bildern, war die Situation ernst, und der verkappte Scherzbold, der sich das einfallen liess, handelte mit der Angst der Menschen, was erbärmlich genug war. Im Augenblick scheinen sich die Aggressionen derer zu mehren, die meinen, sie seien zu kurz gekommen und müssten sich so Gehör verschaffen.



Sonderschutzbekleidung ZODIAK

Abgesehen davon, dass der Täter bis heute noch nicht gefasst wurde, die Polizei in diesem Zusammenhang noch keine weiteren Anhaltspunkte gefunden hat, ist die Suche nach dem Motiv vielschichtig. Das wahrscheinlichste Szenario des Motivs ist die von der RAG geplante Grubenflutung der ehemaligen Kohlebergwerke.Der charismatische Bürgermeister König hatte dem Ansinnen der RAG aus gutem Grund widersprochen. Am 15. Januar lief eine Frist ab, in der die Kommune einem „lückenhaften Gutachten“ widersprechen konnte.

Aus dem schwarzen Gold der Saar wurde ein Alptraum

Nach dem großen Bergwerksbeben, 2008, an der Saar überlegte man hektisch über die weiteren Möglichkeiten, derartige Ereignisse zu minimieren, waren auch die oberirdischen Schäden immens.

Diese Probleme betreffen alle stillgelegten Bergwerke auf der Welt. Seien es Harmony GM, Western Deep Levels oder Schächte der Bergbaugesellschaften im Kongo.

Südafrikanische Bergwerke verfielen auf die irrwitzige Idee, die mit zahllosen Giften zur Goldgewinnung versetzten Abraumhalden, verflüssigt wieder in die stillgelegten Teile der Bergwerke zu pumpen. Der Plan scheiterte an der Machbarkeit.

Bei der RAG bedient man sich der Wasserpumpen

Da verfielen die profitorientierten Manager der RAG auf ein kostengünstiges Verfahren, das keinerlei Erprobung in Langzeitwirkung hat. Zudem wird vermutet, dass sich unter Tage in den noch erhaltenen Flözen mit PCB verseuchte Holzstempel, PCB-belastete Hydrauliköle, etc. befinden. Zahlreiche bergbaufremde Reststoffe, deren Giftigkeit niemals ergründet wurde. Zumal nur die wenigsten Anlagen überhaupt zurückgebaut wurden. Ab 2008 wurde in einer Hauruck-Aktion der Bergbau, nach 250 Jahren, einfach beendet.

Die RAG hat sprichwörtlich „eine teure Leiche im Keller

Wie sich die Giftbelastung auf das Grundwasser bei Flutung der Schächte, die bis 2035 durchgeführt werden soll, auswirkt, kann auch kein Hellseher vermuten, zudem ist nicht klar, wie der steigende Grundwasserspiegel auf Gasrohre und andere Verbindungen wirkt. König hatte diesen Umstand mehrfach betont und sich eine Menge Gegner dadurch geschaffen.



Der Illinger Bürgermeister weigert sich, er ist im Recht, die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, quasi „an den Bürgern abtropfen“ zu lassen. Er will weitere Langzeitschäden verhindern. Das zeigt ein hohes Mass an Verantwortungsbewusstsein für die Bürger.
Sonst wird mit den Ängsten der Bürger jongliert und ein weiteres „Endlager„geschaffen, dessen Folgen für weitere Generationen nicht absehbar sind.

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