Stammheim 1977 – War es doch Mord?

Unvorstellbar

Man kann, man will, es sich nicht vorstellen- waren die Suizide der ehemaligen Terroristen in Stuttgart- Stammheim, nach der Befreiung der LH Landshut und der Ermordung des entführten Arbeitgeberpräsidenten,Hanns Martin Schleyer, Liquidierung durch den Staat?

In welchem Staat würden wir dann leben?

Gibt es eine alternative Wahrnehmung, die für die Sicherheitsorgane und die für die Bevölkerung?

Kann sein, nicht erst seit dem Tatort- Film vom Sonntag wird darüber doziert. Der Bruder von Gudrun Ensslin, einem der damaligen Suizid-Opfer, fragte seit Jahren in seinen durchaus berechtigten Zweifeln nach Antworten, die er leider nicht erhielt.

Warum nicht? Es ist für einen Rechtsstaat beschämend, nicht die letzten Fragen zu beantworten, die ein Angehöriger, auch der Täter und der Suizid-Opfer, stellt. Vielleicht fragen sich die Behörden einmal danach, warum der Bruder von Gudrun Ensslin damit nicht fertig wurde?

Der Sachverhalt hätte das Zeug zu einer Verschwörung, innerhalb des Staates und der Justiz, der damaligen Sicherheitsorgane. Der Bundesregierung. Verschwörer auch in dem Apparat des Nazi- Marinerichters a.D, Hans Filbinger, der damals amtierender Ministerpräsident von Baden-Würtemberg war?
Der Tod der Stammheimer Häftlinge hätte ganz nach seinem Gusto sein können.

Das wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein.

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Wenn es eine Verschwörung gab, gab es noch mehr dieser Art? Barschel, zehn Jahre später im Beau Rivage, ist da schon eher ein Beispiel für eine mögliche Verschwörung.

Oder gibt es so etwas wie eine alternative Wahrheit?

Ja, wie ist es nun geschehen?

Was können die Anwälte noch beisteuern, die damals ihre Mandanten besuchten? Wer brachte Baader die Waffe, die dann später bei der kriminalistischen Untersuchung gefunden wurde? Angeblich im Plattenspieler über viele Monate versteckt war.

Hinrichtung

Wie soll die Exekution der Stuttgarter Gefangenen abgelaufen sein?

Die Kameras waren zu dem Zeitpunkt ausgefallen und die Firma Siemens, die die Anlage warten sollte, noch nicht vor Ort gewesen. Zufall oder Absicht, es war so. Niemand hat bis heute eine Begründung dafür.

War es ein einzelner Justizbeamter, der statt, wie morgens üblich Baader das Frühstück zu bringen, plötzlich abends mit der Knarre durch die Tür kam und den Terroristen niederstreckte,dann den Tatort so herrichtete, dass es aussah, wie es in der Realität aussah. Was für ein Irrsinn!

Demnach ist der unbekannte Justizbeamte dann gleich weiter in die Zelle von Jan Carl Raspe und exekutierte diesen dann so schlecht, dass der Terrorkommunade erst am Morgen nach dem Auffinden, an der Schwere seiner Kopfverletzungen, verstarb.

Kam ein Kommando, wie in Mogadischu, und erledigte die Aufgabe? Was für ein Wahnsinn, sowas zu glauben. Es klingt so bizarr und wie aus einem Dreigroschenroman. Aber gerade dieser Plot würde bestens zur RAF passen- zu Baader, der den großen Auftritt liebte, allemal.

Aber Baader war nicht im Film, sondern in der Realität angekommen.

Big Raushole“ war angesagt

Seltsam wäre es allerdings, da in einer, wie auch immer gearteten Verschwörung, die Beteiligten sicher nicht still gehalten hätten.

Schon kurz nach den Tagen in Stammheim kamen Gerüchte auf, dass Baader, ein Jahr zuvor, auch Ulrike Meinhof ermordet worden wären. Meinhof wäre aufgehängt worden, behaupteten damals die linken Agitatoren, die der Szene in Berlin und in Hamburg nahestanden. Für einmal bei einer „Big Raushole“ dabei gewesen zu sein, auch den Agit-Propagandapparat in Bewegung gesetzt hätten, um jede Information, die dem Klassenfeind, in dem Fall allen Bürger der Bundesrepublik Deutschland, geschadet hätte, die heile Welt der Stadtguerilla vorgespielt hätte. Der Szene musste etwas geboten werden, damit die Verblendung nicht nachließ. Auch nicht einen Millimeter.

Meinhof litt unter dem dominanten Alphaterroristen Baader, so sehr, dass sie sich erhängte. Das muss mittlerweile, 40 Jahre nach den unerfreulichen Ereignissen in Stammheim, jedem klar sein. Es gab keine Verschwörung, es konnte diese nicht geben. Allerdings gibt es noch aktive Terrorenkel der RAF der ersten Stunde.

Nicht nur der damalige Vorsitzende Theodor Prinzing, viel beschimpft und gescholten, müsste sich Fragen stellen lassen, obwohl er zu dem Zeitpunkt des Todes der drei Terroristen schon als Richter abgelöst worden war.

Wollte Prinzing die Exekution, weil er einfach auf die Terroristen keinen Bock mehr hatte? So stellten es Mitglieder der 2. Generation dar. Als hätte Prinzing Kontakte zu einem schießwütigen Henker gehabt, der Irmgard Möller dann gleich noch aufschlitzte und ungesehen in den Stammheimer Trakt und wieder raus kam. Noch wahnsinniger ist diese Theorie.

Wie sehr muss man in den Bereich der Verschwörungen abgleiten, um diese Geschichte zu glauben und griffig zu machen.

Kaum vorstellbar, weil er, Theodor Prinzing sogar eine gewisse Sympathie für die Gefangenen hegte, die er später oft äußerte.

Die Frage der Exekution von Gefangenen, dazu noch von politischen Gefangenen und die möglicher Weise Jahrzehnte währende Vertuschung der Exekution, (entgegen des Artikels 102 GG), wäre dazu gediegen das Ansehen der damals berechtigter Weise unnachgiebigen Regierung von Bundeskanzler Helmut Schmidt erheblichen Schaden nachträglich zuzufügen. Da in den Krisenstäben zwar über die Wiedereinführung der Todesstrafe diskutiert wurde, hieß es jedoch nicht, dass ein Standgericht diese auch verhängte und gleich ausführte. Rechtslastige Moralisten, wie FJS, forderten im üblichen Bierzeltjargon die Abschreckung durch die Todesstrafe, konnten aber der kühn operierenden Bundesregierung unter Schmidt nichts entgegensetzen.

Wurde doch der Volksseele Vorrang gegeben, die forderte, die ehemaligen Mitglieder der Baader-Meinhof Gruppe zu exekutieren?

Stuttgart-Stammheim in den 1970 er Jahren. Die Todesnacht von Stammheim- hinlänglich von Stefan Aust geschildert. Wahrscheinlich die stimmigste Annäherung an die Wahrheit, die der Journalist beschrieb. Aust hätte kein Blatt vor den Mund genommen, wären ihm Zweifel an dem Hergang des Todes der Stammheimer Gefangenen gekommen. Es wäre die Story seines Lebens gewesen.

Die einzige Überlebende Irmgard Möller sprach schon 1993 in einem Interview über Mord:

Baaders Enttäuschung

Vergessen wir nicht, und das muss gesagt werden, Andreas Baader war nicht etwa ein gescheiterter Intellektueller mit revolutionärem Touch- nein, er war ein charakterlich mieses Wesen vor dem Herrn. Baader war verantwortlich Banküberfälle, Morde, Akte des Terrors und des sinnlosen Tötens. Der Gruppenkasper der RAF, 1. Generation.

Baader sah sich als der Anführer der Gruppe, er war alles andere als geduldig und hochgeputscht durch seine Version der Abenteuer der 1. Generation der RAF, vom Trugbild des Sozialismus auf deutschem Boden, war selbst er nicht mehr überzeugt.

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Baader war sonst im Leben auch nicht unbedingt der nette Junge von nebenan, sondern eher ein Typ, der jeden mobbte, der nicht seiner beschissenen Meinung war.

Verantworliche aus dieser Zeit, auch aus der Regierung Schmidt, würden niemals zu der alternativen Wahrheit des Todes im siebten Stock des Stammheimer Hochsicherheitstrakts reden.

Es klingt ein wenig nach Vorstadt-Revolte, stellt man sich die Maskenmännchen vor, die durch die Nacht liefen, um vielleicht das endlose Theater des Austausches der Gefangenen zu beenden.

Alle Nase lang wurden die Gefangenen auf Listen gesetzt, die dann regelmäßig über Mittelsmänner der Bundesregierung übergeben wurden.

Man soll ja über Tote nichts Schlechtes sagen, das gilt auch für die Baader-Meinhof Gruppe.

Doch, Baader war bis auf die Knochen blamiert, als Outlaw und als Anführer der Stuttgarter Gefangenen.
Mit ihm wollte und konnte keiner.

Er konnte mit der Welt nicht und sie nicht mit ihm. Das brachte er oft genug zum Ausdruck, zudem war er jähzornig und nicht einschätzbar.

Eine weitere Hilfsaktion der Terror-Brüder aus Bagdad oder Tripolis hätte es nicht gegeben. So sehr man auch telefonierte über diese seltsame Verbindung der „RAF-Telefonanlage“ in Stammheim. Es war vorbei.

Absurd genug, Baader war auf der Strecke geblieben. Er hatte schon lange keinen Bock mehr auf Graswurzel-oder Gurken-Sozialismus und oder Revoluzzer-Dasein- die Gerichtsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart nervte und langweilte ihn erheblich. Baader war ein bauernschlaues Bübchen, das nun keine Lust mehr auf Verantwortung verspürte. Quasi war der 7. Stock in Stammheim gleich dem Bunker von Hitler unter der Reichskanzlei in Berlin, drei Jahrzehnte zuvor. Baader setzte, wie ein jeder Diktator, das Ende um.

Die Frauen in der Haft hielten den allgemeinen Druck nicht mehr durch.

Die Frage ist, wurden Spurenträger aufbewahrt, die vielleicht von einer dritten Person zeugen könnten, die mittels Gentechnik nun ausfindig gemacht werden könnte?

Die Mär vom Mord ist eine haltlose Geschichte, die keinerlei Substanz hat. Baader- Meinhof war am Ende. Der Staat hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wie er mit den Gefangenen umging. Isolationshaft und ja, Rachegedanken und auch Folter mit legalen Mitteln.
Baader-Meinhof wurde in ihrer Art unterschätzt, Verschwörungen zu konzipieren, von denen natürlich auch die Kunst, in dem Fall der Film profitierte, aber ein Tatort im Umfeld der deutschen Geschichte 1977, ist noch nicht die Wahrheit, sondern allenfalls ein Plot in spannender Historie.

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