Ein toter Vogel

Der zuckende Vogel

Glücklich war ich nicht, als mir Paul den noch zuckenden Vogel anschleppte. Die arme Meise atmete nur noch unregelmäßig und Paul und seine Freunde aus der Nachbarschaft, darunter ein von mir nicht geschätzter senffarbener Kater, quälten gerade eine andere Meise, die die Katzen sich dann in der schnellen Flucht auf dem Flur teilten. Gerecht durch drei anwesende Jäger.

Die Meise blieb liegen.

Als reichte es nicht, dass er gegen 1/2 10 Uhr morgens schon im Gebüsch eine Maus erlegt hatte. Diese hatte er mit einer Hingabe verschluckt, als hätten wir eine besondere Mahlzeit verspeist.

Gerupfter Vogel
kasaan media, 2017

Ich brüllte Paul aus Leibeskräften an und er schrie wie ein Kind auf, was mich noch mehr entsetzte. Mit gesenktem Kopf entschwand er dann auch, hinter ihm wirbelten die Federn der zwei Beutetiere auf. Er liess die Meise liegen, wie wir in früherer Zeit, ein ungeliebtes Spielzeug irgendwann einmal verschmähten.

So blieb mir, den Vogel zu töten, weil ich die Qualen der Meise nicht mehr ertragen konnte. Der bei Katzen berühmte „Tötungsbiss“ war wohl nicht erfolgreich gewesen. Gewöhnlich greift Paul nach, wurde aber durch seine Freunde gestört, den Biss richtig zu setzen.

Für mich war es, das Lebewesen ohne Sinn und Verstand zu töten, was auch jemanden mitnimmt, der schon die Meinung vertritt, wer Tiere isst, muss sie auch selbst töten können.
Alles andere wäre feige.
Ich war unendlich sauer auf Paul, weil ich hinter seiner Aktion Mordlust vermutete. Das war es aber nicht, vielleicht er einfach aufgeregt.

Doch ich hatte einen Fehler gemacht, mich gegenüber dem Kater vollkommen falsch verhalten. Paul ist ein Raubtier, auch wenn sein Fressnapf übervoll ist, so spielt er gerne mit dem Jagdinstinkt, den man den Tieren nicht abtrainieren kann. Das ist auch gut so. Es soll ja eine Symbiose zwischen Mensch und Tier sein und kein dressieren einer Spezies.

Ich glaube nicht, dass ein Vogel oder eine tote Maus eine Art Geschenk oder Liebesbeweis von ihm gewesen wäre. Nein, der Mensch neigt dazu, seine Haustiere als vollwertige Menschen anzuerkennen, in die Tiere seine Absichten zu interpretieren.

Spieltrieb eines Raubtieres

Es ist der Spieltrieb, mit dem Opfer nach der Jagd noch allerlei “ Späßchen“ zu treiben, bevor es dann endlich als Mahlzeit verzehrt wurde.
Vielleicht auch, dass die Spannung, die sich in dem Tier während der Jagd aufbaut, abzubauen.
Stunden später war der „Flausch“ wieder so normal wie eh und je.

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