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Russland

Putins außergewöhnliche Rede vor dem Deutschen Bundestag

Rede des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin während seines Staatsbesuches Ordnungsnummer: 3330460 Name: Putin, Wladimir Ereignis: Staatsbesuch Gebäude / Gebäudeteil : Reichstagsgebäude, Plenarsaal Nutzungsbedingungen: http://www.bundestag.de/bildnutz Es werden nur einfache Nutzungsrechte eingeräumt, die ein Recht zur Weitergabe der Nutzungsrechte an Dritte ausschließen.

Nein, damals kam er nicht rüber wie ein Agent des KGB, der in Dresden dereinst für die Apparatschiks vom Politbüro der KPdSU schnüffelte.
Wladimir Putin wirkte wie ein schelmischer Junge, der sich wie ein Löwe freute, in dem von ihm augenscheinlich verehrten Haus zu sprechen. Er sprach weniger russisch, eher deutsch und das sehr gut und las nicht nur ab. Man konnte Putin seine Absichten abkaufen.

In Deutsch im Bundestag

Putin gab sich in der wohl klügsten diplomatischen Rede seiner Karriere charmant, direkt, sehr humorvoll-und betont realistisch.
Alle sind schuldig, vor allem wir Politiker„, er war in diesem Moment seiner Zeit um Jahre voraus. Wladimir Putin hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Das spürte man zweifellos. Auch seinen Willen, sich den Europäern zuzuwenden, Handel zu treiben und auch ein Teil eines Hauses zu werden, das Gorbatschow Jahre zuvor beschrieben hatte.
Der Russe war kein Unbekannter mehr, den man allenfalls aus Kriegsfilmen oder schaurigen Erzählungen kannte, nicht mehr der Iwan, sondern, es entstand eine zarte Freundschaft.
Putin versuchte, ein Teil davon zu werden. Wenn ihm das ganze Unterfangen der Diplomatie nicht sehr behagte, doch er, der Präsident der Russischen Föderation, wollte die Freundschaft zeigen, die er für den einstigen Kriegsgegner Deutschland empfand. Der Krieg war damals noch keine 60 Jahre zu Ende, die Generation der Kämpfer und Beteiligten lebte noch.

Putins unerfüllter Traum

Vielleicht träumte auch er insgeheim von blühenden Landschaften in seinem „Zarenreich“, was ihm durchaus zustand.
Putin blickte sehr weit in die Zukunft, sprach über ein Kalifat in der Schwarzmeer-Region. Tschetschenen, die damals Russland mit Terror überzogen, äußersten den Wahnsinn schon Tage nach New York. Alles fand im Angesicht des 11. Septembers statt, dessen Hintergründe immer noch wie ein Märchen aus 1001. Nacht klingen.
Putin flehte die Abgeordneten fast an, an einer bilateralen Sicherheitspolitik zu feilen. Nun, man muss heute dem russischen Präsidenten zugestehen, dass er im Recht war. Selbst seine größten Gegner, die ihn wegen seiner Missetaten in der Ukraine, der Krim, verachten, sollten ihm die Hand reichen. Mit einem Wladimir Putin der Tage konnte man reden, zumindest einen Konsens finden. Der wird dringend notwendig. Putin war immer bereit, Kompromisse einzugehen.
Leider blieb es 2001 nur bei den Absichten, die die Stärke beider Länder aufzeichneten.
Da fragt man sich heute, was ging schief, wann und warum?
Es sind einfache Fragen, die beantwortet werden können.
Putin misstraute den Amerikanern, zu Recht, wenn man den Lauf der Geschichte heute sieht.
Ein Typ wie Trump, der Menschenrechte mit Füssen tritt, dumm daherredet und eigentlich ein Glücksspieler ist, kann für Putin kein Ansprechpartner werden oder sein. Auch für Europa kann und darf ein Populist wie Trump kein Mandat haben.

Die Europäer müssen sich aus dem „guter Amerikaner, schlechter Russe“-Schema lösen, um ihre eigene Politik zu gestalten. Die Amerikaner haben oft genug enttäuscht und führen ihre Kriege mit wachsender Begeisterung und stoischer Gelassenheit, scheuen sich dabei nicht, über Leichen zu gehen.
Der Russe zahlt mittlerweile mit gleicher Münze zurück. Leider.
Aus Putin wurde ein Despot, der wie ein wütender Junge, sich aus dem Zirkel der Sozialdemokratie entfernte, gar 2015 NPD zu sich nach Moskau einlud, um „traditionelle Werte“ zu besprechen.

Und am Ende bleibt der Satz von Putin von 2001,“Alle sind schuldig, vor allem wir Politiker„, eine der wohl besten Erkenntnisse der Zeit. An der Aktualität der gesagten Worte hat sich nichts geändert.


Quelle: Deutscher Bundestag

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