Die Rente ist eben nicht sicher

Die Altersarmut ist erbärmlich.
Während die Pensionsbezüge derer steigen, die die „Karre in den Dreck gefahren“ haben, bildet sich eine Schicht von Flaschensammlern in der Bundesrepublik.
Man sollte nicht vergessen, dass Deutschland zu den stärksten Industrienationen der Welt gehört, die Flaschensammler sind zum Teil Rentner, die ihr schmales Salär aufbessern.

„Die Rente ist sicher!“, schwadronierte Norbert Blüm, CDU, damals Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, im Wahlkampf 1986 und im Oktober 1997, als es im Bundestag zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Fraktionen über die Rente kam.
Rudolf Dreßler, damals SPD, wusste schon, dass die Rente nicht sicher war oder sein würde. Ihm schwante Unheil ob der Augenwischerei. Seitdem wurde an dem Thema von allen Regierungen rumgedoktert, verändert wurde allerdings nichts. Es wurden Symptome und Phantome bekämpft, aber nicht eine grundsätzliche Änderung herbeigeführt. Es zeigt die Inaktivität der Regierung, wenn es um das Wohl vieler geht, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt, aus welchen Gründen auch immer, selbst zu bestreiten. Dazu gehören nun einmal Rentner.
Seit Jahrzehnten ist eine politische Renten- Stasis eingetreten, an die sich keine Regierung herantraute.

Die Rede von Rudolf Dressler (SPD), vom 10.Oktober 1997 vor dem Deutschen Bundestag ( Copyright: Deutscher Bundestag / Bundesarchiv) klingt heute wie eine Wahrsagung.

Überall sind Flaschensammler unterwegs, manche Rentner müssen nach mehr als 40 Jahren Arbeit betteln, wenn ein Berufsunfall dazukam, oder einfach der Körper verbraucht ist.
Dann wird das Leben schwer, zu schwer.

Szenenwechsel: In Hamburg übernachten zahlreiche ältere Menschen Zelten, in einem Park in Altona, zwischen Bulgaren und Illegalen, der Park neben dem jüdischen Friedhof wurde schon mehrfach geräumt. „Für eine Flasche Rotwein reicht es dann noch“, auch wenn die Wohnung verloren ist“, sagt Manni*, der sich gegenüber in der Obdachlosenausgabe jeden Tag Essen holt. Irgendwann ist er einfach abgestürzt.
Das Geld reichte hinten und vorne nicht, als er Rentner wurde.
Mehr will er nicht dazu sagen, er geht jetzt Flaschen sammeln, wie jeden Tag. Auch Sonntags.

Nicht nur Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden, haben überhaupt keine Möglichkeit in irgendeiner Weise an ihrer Rente mitzuwirken und rutschen zwangsläufig in das Hartz IV Niveau ab. Dann gehen die Probleme erst richtig los.

Es ist eine Schande für den Staat Bundesrepublik Deutschland, ältere Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, Frauen, die Kinder geboren haben, solchen Zuständen zu überlassen.

Irgendwie müssen sich die, die unter der Not leiden, versuchen zu durchzuschlagen.
Rolf * ist einer von den Betroffenen, der bereit ist, mit uns zu reden. Rolf hat sein Leben lang gearbeitet und er hat Norbert Blüm geglaubt, und nun sammelt er Flaschen. Er möchte nicht erkannt werden, er hat resigniert. Er kommt kaum über die Runden, zumal er auch nicht weiß, wo er hingehen sollte, um sich noch ein klein wenig mehr Geld zu besorgen, um über den Monat zu kommen. Rolf fürchtet sich davor, krank zu werden, betont er. Dann fehlt ihm das Geld von den Flaschen, um den folgenden Monat über die Runden zu kommen.

So geht es 100.000 den. Die Politik hat Jahrzehnte Zeit gehabt, dieses Problem zu klären und hat es nicht geklärt. „Vielleicht wollte man das nicht klären, weil man ja selber dicke Pensionsansprüche hat“, meint Rolf.
„Es gibt auch Rentner, die ganze einfach betteln gehen, Ihr müsst mal am Hauptbahnhof nach den alten Frauen sehen, die da sitzen und den Becher hochhalten.“
Immer mehr Eigenverantwortung wurde den Rentenzahlern zugemutet, jedoch niemals erklärt, warum man vorsorgen sollte. Die Rente war doch angeblich sicher, selbst zum Mitschreiben, wie Norbert Blum betonte. Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung waren hoch, zu hoch, die Demoskopie wurde vorgeschoben oder der Pillenknick, etc.

„Die Beamten werden bevorzugt, sie zahlen nicht in die Rentenkasse ein. Die Pensionskassen der Beamten und die Rentenversicherung sollte man zusammenlegen“, sagt Rolf.

„Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Natürlich sollte man vorsorgen und selbst sich darum kümmern, dass man eine gewisse Grundrente auf privater Basis noch anspart, weil die gesetzliche Rente nur noch für wenig reicht. Aber das Problem liegt woanders, es interessiert niemanden, was mit denen ist, die nicht mehr für den Wirtschaftsprozess in der Bundesrepublik geeignet sind.“ Rolf wünscht sich, dass das Rentenalter hochgesetzt würde, auf 75, der jetzigen Lebenserwartung angepasst wird. Weil die Menschen einfach älter werden und früher eben halt mit 70 alles zu Ende war“, steckt er die Flaschen in den Automaten.
Wenn er Glück hat, sammelt er an einem Tag für zehn Euro Flaschen, das reicht dann zumindest um etwas dazu zu kaufen. Ein wenig besser als nichts. An Tagen, an denen irgendwelche Festivals oder Großereignisse sind, können es auch schon mal 18-20 € sein. An Spitzentagen hat er mal 25 € Flaschenpfand gesammelt. Er zieht jeden Tag die Einkaufskarre hinter sich her. Aber so gewöhnlich hat er 5-7 Euro. Er fragt sich, wie lange er das noch machen kann. Und er beneide die junge Generation darum, dass sie jetzt selbst vorsorgen können. Diesem Staat vertraut er nicht mehr, sagt er „Was soll’s?“ zieht er den Bon aus dem Automaten. Heute waren es 8 Euro in sechs Stunden. *(Name von der Redaktion geändert)

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