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Bremen Deutschland

Damals, 2010, in Bremen

Rückblick
Diese Reportage stammt aus dem Jahr 2010 und wurde damals im ersten „Wallpaper Journal“ veröffentlicht. Es war eine Momentaufnahme in der Hansestadt Bremen.
In der Hochzeit der Bankenkrise und den absurden, literarischen Theorien des Thilo Sarrazin s.

Wir hatten uns auf die Salafisten in Gröpelingen, einem südlichen Stadtteil Bremens, „fokussiert“. Wie sehr wir in den Tagen an der nicht erkannten Realität lagen, konnte nur die Zeit erklären. Wir wurden wüst als Rassisten beschimpft- einige Monate später riegelten Hundertschaften der Polizei halb Gröpelingen ab. Aus gutem Grund. Schon damals entstand aus der Salafisten-Szene, eine abstruse Parallelwelt. Jedoch, die Reportage fing ganz anders an, es waren die ersten Tage nach dem Rücktritt von Bundespräsident Köhler.

Wir waren für einen Monat Präsident Deutschlands!
Das war ein guter Monat für Bremen und für Deutschland.“

 

Hansestadt Bremen, Bundesrepublik Deutschland, im September 2010

Bremen, das ist  sicherlich nicht nur die Stadt der berühmten Bremen Stadtmusikanten im Schatten des majestätischen Doms.

Nein, Bremen ist mehr. Viel mehr, als man dem kleinen Stadtstaat zunächst zutraut.

Bremen ist anders.

Es ist mehr als gewöhnlich. Bremen ist facettenreich, in sich mobil, nicht starr, nicht gebrechlich. Die Hansestadt ist von einem ungewöhnlichen, energiereichen Zeitgeist, in einem,  über Jahrhunderte, gewachsenen Ambiente durchsetzt.

Weit weg von dem glamourösen  Hamburg mit den Prachtstraßen, die an französische Boulevards erinnern.

Bremen ist freier, eloquenter, offener, von einem kollektiven, unermüdlichen Treiben erfüllt, das einen jeden Bürger erfasst.

Ob er will oder nicht.

Man gehört dazu. Abseits steht hier niemand. Kaum einer, nur die wenigen, die sich ausschließen wollen.

In Bremen sagt man sich glasklar, ohne Umschweife die Meinung, ohne später als erbitterte Feinde auseinanderzugehen. Es wird ungewöhnlich hart, aber sehr sachlich gestritten, gefochten, innerhalb der vielen gesellschaftlichen und kulturellen Strömungen.

Von gelebter demokratischer Auseinandersetzung, von der überlieferten hanseatischen Historie, ist die Rede. In einem gewagten Streifzug durch die gegenwärtigen und bewegten Zeiten der Wirtschaftskrise der Hansestadt wollen wir ungeschminkt berichten, zwischen normalen, althergebrachten Traditionen und der grundlegenden, schleichenden strukturellen, auch soziologischen, Veränderung Bremens dieser Tage.

Bremen, das sind der Weserhafen, wohlhabende Kaufleute, distinguierte Reeder und die Bürger innerhalb einer sehr frei denkenden Gesellschaft, die sich selbst ständig neu erfindet. Da sind außergewöhnliche Künstler, wie auch die angesiedelte Industrie, die zahllosen Handwerksbetriebe, die Gewerbetreibenden.

Harry Frommermann  lebte hier bis zu seinem Tod im Oktober 1975. Er war einer Gründer, der Tenöre, der weltberühmten Comedian Harmonists, die mit Liedern wie „Veronika, Veronika, der Lenz ist da“ oder “Mein kleiner grüner Kaktus“ unvergessen sind. Frommermann kam nach der durch die Nazi– Diktatur bedingten Emigration, zurück nach Deutschland, fand eine neue, die Bremer Heimat- eine späte Liebe nach einer endlosen Odyssee durch die Welt.

In diese zusammenhaltende, ungewöhnlich eigenständige Welt tauchen wir ein, in die der noch existierenden Arbeiterviertel in Gröpelingen, die gemauerten Häuser aus rotem Ziegel- oder Backstein. In die Straßen des Tenever,  in die zum Teil gegensätzlichen sozialen Strukturen vor dem denkmalgeschützten Aaltohochhaus.  Aber nicht nur da ist Bremen zu spüren, zu greifen.

Die Bürger sollen selbst von ihrer Stadt erzählen, den täglich gelebten Gefühlen und den Erfahrungen und den Hoffnungen.

Es sollte ein kurzer Artikel werden: Aber die Stadt lebt, versteckt sich nicht in der Lethargie dieser Zeiten. Den täglich präsenten, dennoch wehmütigen Erinnerungen, an den vermissten Carl Borgward, dem genialen Autokonstrukteur. An die ehemalige Fabrik in Sebaldsbrück, des unter sehr dubiosen Umständen in Konkurs geratenen, beliebten Unternehmers.

Borgward Coupé, 1958
All copyrights by kasaan-media, 2010

„ So einen benötigen wir wieder!“, bekommen wir oft zu hören, während wir durch die Stadt streifen.

Carl Borgward scheint wie eine geisthafte Legende in aller Munde, in schlechten Zeiten.

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