Gedanken zur Todesstrafe

Kelly Renee Gissendaner stand zum dritten Mal vor dem Henker, vielmehr lag sie. Dann wurde sie in einem menschlichen Experiment, dessen Ausgang niemand voraussagen konnte, schlicht wie ein kranker Hund eingeschläfert. Selbst der Aufruf des Papstes und seiner Gesandtschaft in den USA konnten nicht mehr abhelfen, wenn auch um Gnade gebeten wurde.
Gnade in den USA zu erwarten, wenn man in der Todeszelle sitzt, ist vermessen. Ob schuldig oder unschuldig, es wird hingerichtet. Ein perfides Gesellschaftsspiel, wie es scheint. Zumeist trifft es die Angeklagten der schwarzen Unterschicht. Die, die sich keinen Anwalt leisten können, denen ein Pflichtverteidiger gestellt wird. Hispanos und anderen Einwanderern geht es genauso.
Die Giftmischungen erinnern an Frankensteins Labor oder an andere Gruselfilme.
Es sind menschliche Experimenten, einen Menschen in besonders grausamer Art und Weise zu töten.
Es dient der schaurigen Unterhaltung der Massen. Wie im Wilden Westen. Zumeist wird über die nächtlichen Exekutionen im Morgenprogramm berichtet. Was für eine unmenschliche Bestrafung, mit der Angst des Delinquenten zu spielen. Jahre, mit dem „Sahnehäubchen“ der dreimaligen Vorführung vor den Henker, wie im Falle Kelly Renee Gissendaner.
Vor ein paar Tagen wurde sie hingerichtet. Bis das Gift wirkte, soll sie „Amazing Grace“ gesungen haben.
Was für ein Abschied von dieser Welt.
Die Tötung eines Menschen ist zu einem willkürlichen, zum Teil mit Hass erfülltem Spiel geworden. Cowboys und deren Verständnis von Recht zu beeinflussen, stellt sich als sinnfrei heraus. Der Strick wird sinnbildlich am nächsten Baum aufgehängt. Wenn es nach den Staatsanwaltschaften gehen würde, z.B. nach Typen wie dem smarten Chris Koster, dem Generalstaatsanwalt von Missouri, dann würde es überhaupt keine Verhandlung, sondern gleich die Hinrichtung geben. So hat man den Eindruck, wenn man ihn reden hört. Jay Nixon als Gouverneur liebt Brot und Spiele, zu einer Stellungnahme über die von ihm so geschätzte Todesstrafe war nicht bereit.
Es geht nicht um die zum Teil unbeschreiblich grausamen Taten der zum Tode Verurteilten, sondern um den folgenden, meist Jahre währenden Kampf um das Leben der Delinquenten und um die Todesstrafe als Mittel der Justiz weltweit.
Die Todesstrafe ist nicht mehr zeitgemäß, das Gift ist so knapp, dass auch Ohio die Exekutionen bis zum Januar 2017 verschiebt. In der Hoffnung, das Gift aufzutreiben. Vorher riskierte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Thomas Madden nach der völlig aus dem Ruder gelaufenen Hinrichtung Mc Guires im letzten Jahr noch die dicke Lippe, dass „niemand das Recht auf eine schmerzfreie Hinrichtung hätte.“
Die weltbekannte Hinrichtungsindustrie in Texas krankt nie, sie wird am Leben erhalten wie ein böser Fetisch. Dabei zählen Bundesgesetze nicht, wie das Verbot der grausamen und ungewöhnlichen Bestrafung. Auch Texas versucht seit Jahren, wahrscheinlich aus Schwarzhandel, die benötigten Substanzen zu importieren.

Seit Jahren wird in den USA das Gift knapp, die europäischen Pharmaunternehmen, wie Lundbeck, liefern den früher zunächst zur Komatisierung verwandten Wirkstoff Pentobarbital nicht mehr. Nun wird auf dunklen Wegen oder durch angebliche „Arzneimittelmixer“ in Hinterhofapotheken in den USA, das Gift für die Hinrichtungen besorgt. Da werden andere Wirkstoffe verwandt, Midazolam oder verschiedene selbst gebraute Medikamente, deren Wirkung niemand abschätzen kann. Wenn überhaupt nichts mehr hilft, dann Hydromorphine, die als Opiat in einer solchen Überdosis gegeben werden, dass die Atmung versagt.
In jedem Fall sind die Medikamente nicht dazu gediegen, die Delinquenten während der Hinrichtung vor entsetzlichen Schmerzen zu bewahren. Nein, es scheint, als sei das gerade gewollt, von Chris Koster oder seinen zum Teil hasserfüllten Kollegen.
Mit Recht, Justiz oder Strafe hat es nichts mehr zu tun. Es ist staatlich organisierte Folter und Mord. Das ist den Beteiligten durchaus bewusst.
Nach der Obduktion von Charles Warner, einem verurteilten Kindermörder, der im Januar dieses Jahres mit einem falschen Wirkstoff hingerichtet wurde, wurde bekannt, warum er bei der Hinrichtung immer wieder schrie: „Mein Körper brennt!“
Andere Delinquenten hatten minutenlangen „Lufthunger“, ehe sie der Tod erlöste. Oder auch nicht.
Ein unfassbares Beispiel ist der Fall Romell Broom aus Ohio, er wurde 2009 ein wenig hingerichtet. Hier mal gestochen, da mal gestochen. Romell Broome wurde nach der eigenen verhinderten Hinrichtung immerhin eine Tasse Kaffee und eine Zigarette angeboten.

Man kann sich kaum vorstellen, dass die Mittel im Fall Warner unabsichtlich vertauscht wurden. Amerika ist in der Lage zum Mond zu fliegen, aber Apotheker vertauschen angeblich die Beschriftung von Chemikalien. Vielmehr sieht es so aus, dass die Quälerei für die Delinquenten noch einmal verschärft werden soll. Die Liste der verpfuschten Hinrichtungen ist extrem lang, nur einige Beispiele sollen erwähnt werden: Jimmy Lee Gray (34), hingerichtet mit Gas 1983, selbst der Henker wurde nervös, als der Delinquent sich immer wieder gegen den Stuhl der Gaskammer warf. Mit dem Kopf gegen das Metall schlug.
Die Liste derer, die bei Hinrichtungen in den USA verbrannt, verkohlt oder schlicht zu Tode gequält wurden, ist zu lang. Prof. Michael L. Radelet von der University of Colorado schrieb dazu eine ganze Beispielliste, die 1982 mit der Hinrichtung von Frank J. Coppola in Virginia auf dem elektrischen Stuhl begann. In der besagten Exekution soll es nach verbranntem Fleisch gestunken haben, seine Beine fingen Feuer.
Die knappen Absätze zu jedem der Ereignisse klingen wie schiere Horror. Leider liegt die Liste in ihrer unbeschreiblichen Ausführung nur in englischer Sprache vor: Einige verpfuschte Hinrichtungen in der Post Furman Zeit . Dabei spricht Professor Radelet von einigen Beispielen.
Die Liste endet mit Joseph Wood, der mehr als 100 Minuten im Todeskampf verbrachte, nachdem auch seine Hinrichtung nicht nur für ihn, sondern auch für die anwesenden Zeugen zu einer Tortur unbeschreiblichen Ausmaßes wurde.
Oklahomas gnadenlose Gouverneurin Mary Fallin führte nach all den Pleiten sogar die Hinrichtung mittels einer Stickstoffmaske ein, die den Delinquenten wahrscheinlich mit einem Lächeln und einem begleitenden Glücksgefühl vom Diesseits ins Jenseits befördern würde. An Perversion wäre das nur noch durch den IS zu überbieten.
Utah kehrte im Frühjahr zur Erschießung zurück, die letztmalig dem verurteilten Mörder Ronnie Lee Gardner zuteilwurde, sollte das Gift nicht vorrätig sein. Gardner lebte auch nach seiner Exekution einige Minuten weiter. Schenkt man der traumatisierten Radioreporterin Sheryl Worsley Glauben, so ballte Gardner nach den Salven noch mehrfach die Fäuste und bewegte sich. Was dabei Reflex oder nicht war, konnte im Nachhinein nicht mehr geklärt werden.
In Amerika scheint darum zu gehen, wie kann man einen Menschen besonders grausam und langsam zu Tode quälen. Immer perfidere Hinrichtungsmethoden scheint sich Amerikas Justiz auszudenken.
Die Perversion eines jeden Rechtssystem kennt keine ultimativere Strafe als die Todesstrafe.
IS ist Meister in der Verbreitung des Schreckens durch Hinrichtungen, sei es Verbrennungen. Köpfen mit scharfen Säbeln- eigentlich, für die Propaganda, die wie der Angriff auf das World Trade Center durch bin Laden publikumswirksam alles in Szene setzte. In Baghdadis verklärtem Reich ist niemand in der Lage, sich rechtsstaatlich gegen die Exekution zu wehren. IS, die definitive Achse des Bösen, benötigt keinen Rechtsstaat, sondern nur die Propaganda, weil Glaube, die Hoffnung der Menschen vorgeschoben wird, ein blutiges Terrorregime zu unterhalten. Dort wird die Hinrichtung besonders grausam ausgeführt, damit gleich mehrere Punkte auf der Agenda des islamischen Terrorregimes erfüllt sind. Die Folterknechte des Terror Kalifen sind Meister im Quälen Unschuldiger.

In keiner Weise soll das Rechtssystem irgendeines Landes angegriffen werden, das steht niemandem zu; jedoch, aufzeigen, was die Todesstrafe bewirkt. Nichts. Noch nicht einmal Abschreckung, es ist nur die öffenlichkeitswirksame Darstellung der Macht über die Ohnmacht eines grausigen Verbrechen oder staatliche Willkür. Was sich im Laufe der Reportage, der Recherche an menschlicher Perversität, Abartigkeit herausstellte, um Menschen zu töten, ob von Staats wegen, herauskristallisierte, ist mit erheblichster krimineller Energie versehen. Diese Energie ist notwendig, um überhaupt in der Lage zu sein, ein scheußliches Verbrechen zu begehen. Dabei wird auch in der westlichen Demokratie, dem Weltsheriff USA, sehr wenig Rücksicht darauf genommen, ob jemand wirklich schuldig ist. In Texas drängt man auf Rache, gleich wie grausam diese ist. Dabei bleiben meistens die Gerechtigkeit und der Delinquent auf der Strecke.
Hier soll auch nicht über die Hinrichtung Unschuldiger oder Personen geschrieben werden, die intellektuell nicht in der Lage sind, ihre Situation vor dem Henker überhaupt zu verstehen. Diese Liste ist, wie die von Professor Radelet, endlos lang.
Offensichtlich Behinderte werden hingerichtet, darin findet die US Justiz immer Opfer.
Im letzten Jahr gelang es der deutschstämmigen Debra Milke dem Henker zu entkommen: Nach einem halben Leben in der Todeszelle stellte sich ihre Unschuld heraus.

Jedoch, in anderen Ländern sieht es nicht viel besser aus.
Der Iran hängt Jugendliche an Kränen auf, die ein wütender Mob als homosexuell ausgemacht hat. Noch erbärmlicher ist das Steinigen angeblich untreuer Frauen, das mit der Scharia entschuldigt wird. Der Iran ist Hinrichtungsweltmeister, wenn es um das Morden von Regierungsgegnern geht. Präsident Hassan Ruhani nimmt sich da nicht aus. Auch, wenn zahllose Urteile durch Folter erreicht wurden. Amnesty stößt im Iran auf taube Ohren.
Eine Anfrage an die nordkoreanische Niederlassung in Deutschland über die Todesstrafe ist sinnfrei. Es ist, als würde man den Teufel persönlich um ein Interview bitten, um sein Handeln zu dokumentieren. Leider schweigt sich der Beelzebub aus. Aus gutem Grund. Nordkoreas Regime hat eine lange Tradition im Foltern und Quälen, im Töten und im Rechtfertigen der zum Teil, von Wahnsinn getriebenen Methoden, Menschen zu töten. In Nordkorea ist das Morden an der Tagesordnung. Die Welt sieht zu, wie der dritte Diktator in Folge, Kim Jong-un, die Konzentrationslager in seinem politischen Sektenstaat ausbaut, um darin Menschen durch Zwangsarbeit und Hunger reihenweise zu richten.
Sonst wird die Exekution schon mal mit einem Flakgeschütz oder durch eine wilde Meute Hunde durchgeführt, um die Angst in der Bevölkerung zu schüren.
China, der absolute Weltmeister im Hinrichten, gibt nur halbherzig Zahlen heraus. Ein pfiffiger Justizangestellter entwickelte einen Bus, der über Land fährt und in dem eine tödliche Injektion verabreicht wird, die angeblich innerhalb von 30 Sekunden bis 5 Minuten zum Tod führen soll. Die Rezeptur ist geheim, wie auch die Stellungnahme zu den Vorwürfen, dass in diesem Bus Organe entnommen wurden und noch lebende Delinquenten eingeäschert wurden. (Siehe Video). Zuvor wurden die Hinrichtungen in Stadien vollzogen, eine nervige, eitle und selbstgerechte Reporterin Ding Yu eilte mit dem Exekutionskommando mit, um voyeuristisch die letzten Atemzüge eines Delinquenten zu erleben.
Die Kaiserlich Japanische Botschaft reagiert verhalten auf die Nachfrage nach der Todesstrafe, die in Japan durch Erhängen mit kürzester Vorwarnung ausgeführt wird. Die Delinquenten sind in Ungewissheit, wann die Vollstreckung auch sie erreicht, viele verfallen dem Wahnsinn. Das ist Vorsatz, um zu strafen und zu quälen. Manche saßen 30 Jahre und länger, bevor sie der Henker holte.
Widodos indonesische Regierung gibt sich da schon nicht mehr so zugeknöpft, man scheint stolz auf den weltbewegenden Abschied und das gnadenlose Gemetzel im Dschungel zu sein, das selbst die australisch- indonesischen Beziehungen nach der Exekution von Andrew Chan und seinem Mittäter Myuran Sukumaran gab.

Nach der Hinrichtung von Mariëtte Sonjaleen Bosch, einer wegen Mordes verurteilten Südafrikanerin in Botswana in 2001, gibt sich die dortige Administration in Gaborones, der Hauptstadt, wortkarg, wenn es darum geht, nicht nur das Grab der hübschen Südafrikanerin preiszugeben, sondern auch über die Hinrichtungsprozeduren zu sprechen.Noch nicht einmal die Verwandten wurden in Botswana von der Hinrichtung informiert.

Aufrufe, die Todesstrafe abzuschaffen, fruchten nichts. Zu sehr ist der Gedanke des Hasses und der Rache noch in der Bevölkerung verankert.
So bleibt nur das weitere Berichten und die Aufklärung fortzusetzen.

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