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Bremen Schwarzer Block

„Lummerland“ ist schon vollkommen abgebrannt

Bremen , 3. Oktober 2010 kasaan-media, 2010

“ Lummerland “ ist schon vollkommen abgebrannt

Impressionen einer sinnfreien, absurden Demonstration Autonomer und anderer im Vorfeld zu den Festlichkeiten des 20. Jahrestages der Wiedervereinigung Deutschlands in Bremen

„Hauptsache es knallt!“
Das war der viel geäußerte, eigenpropagierte Anspruch, mit dem die meisten der fröhlichen Demonstrationsteilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren.

Nein, sicher war es kein Tag für die Nation, auch kein Tag für Deutschland, aber auch kein Tag für die Demonstranten, deren entstelltes Motto man nur so verstehen konnte. Sah man genauer hin.

Was zunächst als besonders autonom, eigenständig und sicherlich von aggressivem, zum Teil auch gewaltbereitem Potenzial geprägt schien, entwickelte sich bis zum Ende des Marsches durch die gesperrte Bremer Innenstadt zur völligen moralischen und politisch aberwitzigen Bankrotterklärung.

Diese, mit hohen Ambitionen an das restliche, moralisch so abseits stehende, Volk im Jahre 20 nach der Wiedervereinigung Angetretenen, konnten außer wirren, überholten Ideen des gescheiterten Marxismus und dessen Auswirkungen keinerlei deutliche Botschaften überbringen.

Die etwa 2.000 Demonstranten sammelten sich nur widerwillig inmitten einer Menge, wie zahllose römische Kohorten in loser Schildkrötentechnik, angetretenen Polizei-Armada auf dem Bahnhofsvorplatz an diesem doch so trüben, kühlen, ja herbstlichen Samstagnachmittag.
Erinnerten sich die gut trainierten, wachsamen Einsatzkräfte noch lebhaft an frühere Auseinandersetzungen mit augenscheinlich Linksautonomen. Noch war die Stimmung gut auch die weiteren grundgesetzlich verbrieften Rechte, Ordner zu bestellen, die nochmals von der Polizeieinsatzleitung angemahnt wurden, ergossen sich in strategielosen, wüsten Beschimpfungen des gesamten Staatsapparates.
Es schien, als kannte man sich. So wurden also die Spielregeln der Demo erläutert, mit lakonischem Unterton die Auflagen insgesamt verlesen.

Hernach nährte sich der von allen Beobachtern lang erwartete Moment immer zäh fließender, als der Zug endlich mit in schwarz Vermummten, von schick, kunstvoll Bebarteten, Licht- und Kamerascheuen und einigen Anderen, die sich hinter sinnlos bemalten Plakaten verschanzten, loszog.

In diesem Moment, sich wie eine, der Polizei widerstreitende Macht, ballte. Inmitten vieler, die schon während der allseitig, durch den lauten Beat begleiteten Vorbereitung zu der Demonstration mit mitgebrachtem Bier oder Wein feierten. Eine feindselige, herausfordernde Politik des kollektiven, beständigen Trotzes gegen Alles, einen Jeden und schlussendlich Überhaupt propagierte.

Lediglich konnten sich viele der Teilnehmer für den überholten Geist des gescheiterten Kommunismus nachhaltig erwärmen.

„Nieder mit Deutschland!“, tausend, nach einiger Zeit, heisere Kehlen, begannen den Protest spät. Nach sinnlosen, endlos erscheinenden Diskussionen mit der Polizeiführung. Die versuchte möglichen, später nicht mehr kontrollierbaren Gewaltausbrüchen der so genannten Spaßguerillas sofort die anfängliche Spitze zu nehmen, sah sich zunehmend dem Defizit der Demonstrationsteilnehmer ausgesetzt, sich an die grundgesetzlich festgelegten Spielregeln einer geordneten Demonstration zu halten.
Das war auch nicht beabsichtigt.

Repressionen der Polizei wurden über eine scheppernde, quäkende Anlage auf einem der Lkw´s erklärt, bevor die ob der vorgetragenen Anschuldigungen verwirrten Polizeikräfte überhaupt etwas sagen konnten.

Hauptsache es knallt!

Das Motto der Versammlung stand als Strategie fest, wurde wie stetiger Tropfen höhlt den Stein transportiert.
„20 Jahre Wiedervereinigung: Es wächst zusammen, was zerstört gehört!“,rief, grölte die aufgepeitschte Menge diese Worte, die sich wie eine windenden Schnecke weiterbewegte.

„Anticapitalista!“, dann. Ließ die Hoffnung aufkeimen, auf ein wenig mehr revolutionären Geist, zwischen wahnwitzigen, mit vergangenen Theorien des Kommunismus, versehenen Flugblättern wieder kurzzeitig aufleben. Dazu mengte sich die eingetroffene, relativ erstaunte Weltpresse, die wegen der diesjährigen Festlichkeiten zum 3.10. 2010 in Bremen, neugierig auf die Demonstration derer war, die zuvor im Internet mit zahlreichen Aufrufen für erhebliche Gewalt geworben hatte. Aus den Jahren zuvor bekannte, sinnlos gewalttätige Brandanschläge auf Ziele der allgemeinen, zum Teil unbändigen Wut, ausgemachte Müllcontainer oder wie in Hamburg, 2009, gleich, brennende Fahrzeuge. Allerlei verzweifelte Sabotageakte folgten, zerstörte Schaufenster und militantes Graffiti wurde hinterlassen.

Das erklärte Ziel, derer, die wie scheinbare Paramilizionäre auftretenden Versammlungsteilnehmer war das durch sichtbare, spürbare und chaotische Randale Aktionen gegen den verhassten deutschen Staat in unmittelbare Erscheinung zu treten.

Das deutete nur die Ohnmacht an, da, außer der systematischen Zerstörung der möglichen, staatlichen Lebensgrundlage von 85 Millionen anderen Menschen, nichts zu den drängenden Problemen unserer Zeit hinzufügen zu war.

Dem Bremer Demokratieverständnis war diese seltsame Zurschaustellung einer „Null- Bock auf Nichts- Vereinigung“ mit ewig gestrigen, von der Gesellschaft eines ganzen Volkes abgelehnten Werten des real existierenden Sozialismus fremd. Es wurden die Werte agiert, deren revolutionäres Ende in der DDR, 20 Jahre zuvor, stattgefunden hatten, sich nach historischem Verständnis in einen zynischen Spitzel- und Priviligiertenapparat so schnell wandelte, wie er aus den Trümmern des der Hitler-Diktatur entstanden war.

Allgemeines Recht auf freie, verbriefte Meinungsäußerung verkam schnell zu einer Groteske auf die Demokratie ohne Realismus und nötige politische Mission. Alleinig gegen den vorexerzierten, sicherlich unsäglichen Weltschmerz einer ganze Klasse, Masse. Diese hatte sich mit fast 70- minütiger Verspätung, wie ein martialisch anmutender Zug zur allgemeinen und gewohnten Abrechnung mit dem staatlich etablierten und kollektiven System der Demokratie in Bewegung gesetzt. Stockte dann aber wieder.

Dieser suchte dann in der aufdringlich gestalteten, zangenartigen Präsenz, der zu keiner Zeit unentschlossen aufmarschierten Polizeikräfte, die nötige, selbst erhaltende Entschuldigung für ihre rastlose, hektische Ideenlosigkeit, für eine eher desillusionierende Orientierungslosigkeit einiger.
Oder sollte es an diesem Nachmittag in Bremen tatsächlich, wie auch zuvor in Stuttgart, sinnvollen Widerstand gegen eine unnachgiebige Politik des Kapitals einiger Weniger, der politisch gewollten, disozialisierenden und kaltschnäuzigen Art des Staates im Umgang mit der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland geben?

Nein, wer dies erwartete, vergaß das jugendliche Alter und die zum Teil kruden Weltvorstellungen derer, die gekommen waren. Viele der aktiven, offensichtlich unermüdlichen Teilnehmer der Demonstration hatten die DDR physisch überhaupt nicht mehr erleben können, weil es sie schlichtweg nicht mehr gab. Wie ein Teil des Volkes friedlich, mutig und entschlossen, die Politbüro-Riege stürzte. Deshalb entging denen, die die damaligen Verhältnisse forderten, die den Kommunismus, wie ein wegweisendes Licht aus dem Dunklen, dieser Tage zugetan waren, auch die Symbolik dessen, was sie einer Nation, einem Staat wie Deutschland verdankten.

Die Freiheit so zu demonstrieren.

Es folgte ein absurdes Treiben von selbst erklärten anti-nationalen Radikalen, von Linken und Splittergruppen oder Grüppchen, die etwas von einem schwellenden Staatsbankrott und einer lange von ihnen erwarteten Systemkrise skandierten.

Ehe die eigenen, hinter bunten Bannern versteckten, aktiven Anheizer und Scharfmacher wieder zu anderen verbalen Kriegserklärungen in dem definierten Schlachtfeld der „Pflastersteinguerillas“ nimmermüde antrieben.
Daneben wurden zahllose, durchaus fantasievolle Farbattentate geplant, nach so genannten Schlafplätzen innerhalb der mobilisierten Massen gesucht. Eine, von einem riesigen, über die Maßen teuren Polizeiaufgebot begleitetes Feld, der eher die Lust nach Volksfeststimmung entsprang, fühlte sich persönlich beleidigt, weil die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Auftritts und die Absicht die Angst vor dem so genannten „Schwarzen Block“ zu schüren, unterging. In den ersten Regentropfen vom Pflaster gespült wurde.
Es ging nicht um die, sicherlich oft ungerechtfertigte Abschiebung von Asylanten, nicht um die sicherlich häufig willkürlich beschnittenen Rechte von Minderheiten, den Austritt aus der sicherlich ungeliebten NATO, sondern, es ging um dezidierte, gut geplante Selbstdarstellung einer profillosen, perspektivlosen Jugend, die sich suchte, wie zu allen vorangegangenen Zeiten, zu erklären.

Diese Jugend empfand es als cool, Journalisten zu treten, die berichteten, fotografierten, Passanten als „Arschlöcher“ zu bepöbeln und aggressiv weiter zu skandieren.

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