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Etwas über Andreas Wisst- reale Dystopie eines Pragmatikers

Leas Erbe - Cover - Sterne Blut - 1, Andreas Wisst, 2016

Leas Erbe- Sterne Blut
(MCvtH)
Andreas Wisst ’s Erstlingswerk erschien 2016 bei Tredition in Hamburg.
Das Werk ist in verschiedenen Formaten erhältlich.
ISBN: 978-3-7345-4309-8

Eine Dystopie mit dem schönen Titel „Leas Erbe- Sterne Blut“.
Manch einer der Leser wird sagen: „Wieder eine Dystopie, die sich jemand einfallen ließ, der nichts anderes zu tun hatte. Reicht es nicht einmal?“

Nein und nochmals nein!
Bei diesem Werk ist es anders.

Andere Leser können mit Vampiren nichts anfangen, allerdings gibt es doch genug Zeitgenossen, die sich ähnlich aufführen. Gerade deshalb.
Das Buch ist extrem lesenswert, weil es die Wahrscheinlichkeit unserer eigenen Geschichte, die sich immer wiederholt, trifft. Und zwar ins Schwarze- man könnte sich fast fürchten und der einzelne Mensch, der Leser, soll das vielleicht auch. Eben, weil der Mensch aus den Fehlern nur selten lernt. Nein, überhaupt nicht, folgt man dem Autor und seinem Begehren.

In manchen Passagen des Buches hat man den Eindruck, der Autor sei seiner Zeit, wie auch immer, vorausgereist und hätte eine Reportage über das Jahr der Handlung, über die Zeitbögen, verfasst. Das soll wohl so sein.

Man steht daneben, in Sprache des heutigen Umgangs, und sieht die Zukunft, die aller Wahrscheinlichkeit nach, so sein wird, lediglich die Blutsauger vielleicht in einer anderen phantastischer Gestalt.
Das Buch erscheint real und doch Fantasy.

Der Plot entspinnt sich in Dynamik und Verquickungen, die ein großes Lesevergnügen versprechen. Die Sprache ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, der Autor erreicht dadurch Dynamik, die mitreißt. Es ist eine Reise, die zum Teil verstört, weil nicht die Protagonistin, sondern der Autor den Zeitstrahl wahrnimmt.

Nun gibt es zahlreiche Werke über den Widerstand, gerade in der heutigen Zeit, das allerdings macht das Buch so lebendig, weil es eigentlich einen wahren Widerstand aufzeigt.

Angelehnt an den französischen und belgischen Widerstand- Résistance– gegen die Nazis im 2. Weltkrieg, ruft es zum Widerstand gegen die auf, die uns, das Volk, längst verloren haben. Vieles kommt einem bekannt, doch so fremd, vor.
Das Buch empfiehlt sich selbst in unseren Tagen als Entspannung und zur Flucht in andere Zeiten.

Zunächst einmal der Plot:

Kurzzusammenfassung des Buches:

In der Kuppelstadt Grenoble plätschert im Jahr 2528 Leas Leben dahin.
Das Studium zieht sich, die Vorbereitungen für das anstehende Rennen nerven und Colin – ausgerechnet der Typ, der Lea rasend gut gefällt – legt mit seiner Bindungsallergie ihre Nerven vollkommen blank. Und als ob dies alles nicht reichen würde, gibt ihre beste Freundin Cloe auch noch ungefragt ihren Senf dazu.

Der normale, alltägliche Wahnsinn. Eigentlich … Bis eine ihr unbekannte Verwandte Lea um ein Treffen bittet, im Sperrgebiet, außerhalb der Kuppel.

Von diesem Treffen an überschlagen sich die Ereignisse und Lea bleibt nur noch wenig Zeit zu akzeptieren wer sie ist, und noch weniger Zeit, Freund und Feind zu unterscheiden. Sie muss nun sich und ihre Liebe retten, bevor die Menschheit erneut an einem zweiten Abgrund steht.

Klappentext
2099 -Die Große Katastrophe. Der Krieg. Die Seuche.

2528- Endlich eine neue Zeit.

Aber der Frieden trügt, denn keine der menschlichen Rassen – weder Menschen noch Vampire – hat aus der Vergangenheit gelernt.

So zerbricht Leas Leben.

Über Nacht von der Studentin und erfolgreichen Pilotin zur Gejagten, ihre Freunde in tödlicher Gefahr und Lea weiß nicht warum.

Doch es ist ihr Erbe.

Und um sich und ihre Freunde zu retten, muss Lea das Geheimnis ihrer Herkunft lösen.

Schnell. Gegen den Verrat. Gegen den Tod.

Und die Zeit läuft …

Andreas Wisst, 2017

Interessant ist das, was Andreas Wisst in einem kurzen Interview erklärte, das er uns gab.

Was fasziniert Dich so an der Résistance?

Das Wort Faszination trifft es nicht, da ich gewisse Teilbereiche des Widerstandes durchaus auch kritisch bewerten muss, und diese nicht glorifizieren will. Es ist eine durch die Familienhistorie meiner Frau bedingte Neugier, aus welcher ein reges Interesse entstanden ist.

Der Großvater meiner Frau floh damals aus Italien vor den Nazis nach Grenoble in Frankreich. Als diese dann auch noch in Frankreich einmarschierten, schloss er sich dem Widerstand an.

Widerstand ist ein hehres Ziel, den Mut zu haben, Recht gegen Unrecht zu verteidigen, und scheint die Übermacht noch so groß. Zu erkennen, wann man gegen den Strom an zu kämpfen und sich auf die Hinterbeine zu stellen hat. Eine moralisch hochbrisante Gratwanderung, in deren Verlauf die bestgemeinten Absichten aus den eigenen Reihen unterlaufen zu werden drohen. Denn die Résistance – wie jeder andere Widerstand – bestand aus Menschen, die mit ihren Schwächen weder frei von Psychopaten noch Machtfanatikern waren. Menschen deren Ansichten und Vorstellungen, über Form und moralische Grenzen des Widerstands, weit gefächert waren. Und da es bekanntlich kein Licht ohne Schatten gibt, gab es auch im Widerstand Gruppierungen, die eine harte und unversöhnliche Linie verfolgten und deren Ziele wohl nicht nur vom Glauben an ein freies Leben und eine bessere Zukunft beflügelt wurden. Von diversen Leuten fand im Rahmen der Résistance durchaus auch ein Machtmissbrauch zur Vorteilsnahme und zur materiellen Bereicherung statt. Angefangen vom sich „unter den Nagel reißen“ von Lebensmittelmarken, bis hin zum Ausleben psychischer und körperlicher Dominanz anderen Personen gegenüber.

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So etwas spiegelte sich unter anderem beim Umgang mit den Frauen wieder, die der Kollaboration bezichtig wurden. Ob bewiesen oder nicht – eine schnelle und unerbittliche Verurteilung – deren Strafe in einem Rahmen vollzogen wurde, der durch das Scheren ihrer Haare unter Beteiligung, der nach Rache gierenden und johlenden Menge an mittelalterliche Strafmaßnahmen erinnerte. Es ist leider zu leicht unter dem Deckmantel eines Widerstandes oder Krieges unnötig Gewalt anzuwenden und zu entschuldigen, im Gegner eine akzeptierte Rechtfertigung zur Auslebung dunkler Triebe zu finden. Aber auch untereinander waren sich die diversen Flügel des Widerstandes nicht grün, und es kam immer wieder zu Opfern interner Auseinandersetzungen. Einer solchen Maschinengewehrsalve konkurrierender Verbände – und nicht der deutscher Soldaten – fiel auch der Schwager des Großvaters „versehentlich“ zum Opfer.

Ihr Großvater distanzierte sich explizit von dieser dunklen Seite, was oft keine leichte Sache war, ihm aber enormen Respekt einbrachte. Seine Haltung zeigte sich schon in kleinen Gesten, wie bei der Parade der Resistance im Anschluss an die Befreiung von Grenoble. Hier lief er zwischen seinen bis auf die Zähne bewaffneten Kameraden, demonstrativ ohne Waffen. Denn es war vorbei. Der Besatzer war besiegt und man brauchte sie nicht mehr. Doch Waffen signalisieren Macht, und die wenigsten Menschen geben ihre Macht und Dominanz freiwillig ab. Denn stärker als der andere zu sein, Macht und Dominanz zu demonstrieren, ist für viele Menschen ein zu gutes, zu berauschendes Gefühl, das sie nicht freiwillig missen möchten.
Denn immer wenn es um Macht oder Geld geht, besteht die Gefahr, dass Gier und Machthunger überhand nehmen und sich in der menschlichen Natur ein schwarzes Loch auftut. So kann man dann oft nicht mehr die „gute“ von der „schlechten“ Seite unterscheiden und landet schneller vom Regen in der Traufe, als man Widerstand sagen kann.

Nach der Exkursion in die Spannung der Zeitgeschichte, ein paar lockere Fragen an den Autor:

Was trinkst Du gerne?
Kaffee in allen Aggregatszuständen.

Dein Lieblingsgericht?
Spaghetti in allen Variationen.

Kochst Du gerne?
Sehr gerne und perfekt, solange es sich um Wasser für Kaffee und Spaghetti handelt.

Was ist Dein Haustier?
Ich praktiziere Cat-Sharing. Die Wampentiger gehören theoretisch den Nachbarn, dafür gehören ihnen praktisch mein Sofa und mein Kühlschrank.

Welche Gestalt aus Geschichte wärst Du gerne für ein paar Tage und warum?
Neil Alden Armstrong. Er war der erste Mensch der seinen Fuß auf den Mond setzte und von dort auf die Erde blicken konnte.
Seine Heimat in der Unendlichkeit des Alls sehen zu können, so klein und verletzlich die Erde zu erblicken, dass muss ein ebenso überwältigendes wie beängstigendes Gefühl sein.

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Andreas Wisst
kasaan media, 2017

Wenn du eine Zeitreise machen könntest, in welches Jahr würdest reisen?
In das Jahr 2528, um zu sehen, was von meiner dahin projizierten Zukunft tatsächlich wahr wurde.

Glaubst Du an Außerirdische?
Ja! Anzunehmen, dass wir in diesen unendlichen Weiten gänzlich alleine sein sollen, ist in meinen Augen extrem vermessen und außerdem gegen jede statistische Wahrscheinlichkeit.

Wo bist Du am liebsten????
Am Schreiben und Lesen, egal wo!

Bist Du ein Schöngeist?
Nein. Ich liebe zwar Literatur und Kunst, bin auf der anderen Seite aber auch ein sehr kritischer und praktischer Mensch, der gerne und bestimmt anpackt.

Malst Du, obwohl Du schreibst, auch?
Da scheitert es bei mir leider an der praktischen Ausführung, sprich Begabung. Bei den Graphiken bin ich leider auf Unterstützung angewiesen.

Was sind Deine Hobbies, außer twittern?
Wassersport wie Segeln und Schwimmern, Wissenschaft & Parawissenschaft, Kunst & Kultur mit Schwerpunkt Pop-Kultur, Auto & Technik.

Was ist Dein nächstes Projekt? Schreibtechnisch?
Der zweite Band von „Leas Erbe“, welcher sich auf der Zielgeraden befindet.

Wohin fährst du gerne in den Urlaub?
Frankreich, Grenoble.

Danke für das Interview![yasr_overall_rating size=“small“][yasr_visitor_votes size=“small“]

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